Unter Illusionsverdacht
Das Raumschiff ist nicht mehr das neueste. Schlappe 500 Jahre hat das Starship schon auf dem Tacho und seine Commanderin, Queen Lear, auf dem Buckel. Zeit für einen Neuanfang. Die Technik hält zwar gerade noch einigermaßen, auch wenn ein paar Schrauben locker sind, beim Asteroidenslalom der Kabelsalat aus dem Schaltbrett quillt und sich der alte Galaxien-Gleiter zielstrebig dem Elektroschrott nähert. Nur die Biologie schwächelt noch mehr. Corinna Harfouch sitzt sichtlich ermattet in ihrem Cockpit und regelt die dringend nötige Nachfolge, als ihr der alte Lear-Fehler unterläuft.
Sie trennt den Planeten Erde, ihr altes Heimatreich, für die drei Kinder nicht in drei, sondern nur in zwei Teile, weil sich Lieblingstochter Cordelia den geforderten formelhaften Liebesbekundungen entzieht. Shakespeares altbekanntes Unheil zieht herauf.
Soeren Voima (aka der Berliner Schaubühnen-Dramaturg Christian Tschirner) hat Shakespeares Klassiker vom verstockten alten Herrscher in eine Retro-SciFi-Kulisse mit einer Prise «Star Wars» umgedichtet und in eine aktuelle Zukunft verlegt, die leider auch nicht friedlicher ausfällt als die Vorlage. Um eine zentrale Botschaft gleich vorwegzunehmen: Macht und ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Franz Wille
Jürgen Otten Herr Samoilov, wie geht es Ihnen?
Iurii Samoilov Ich bin sehr, sehr traurig. Ich bin nervös, verzweifelt. Und manchmal alles zusammen. Was ich nicht spüre, ist Aggressivität oder Wut. Ich habe vor allem Angst um meine Familie, die in der Nähe von Odessa lebt, Angst um meine Freunde und Bekannten, Angst aber auch um Menschen, die ich nicht persönlich...
Figuren
Protagonisten: Aslan Özgür Kevin Jeremy Falk
Stumme Figuren: (für die stummen Figuren ist keine Besetzung nötig)
Speckwanze Amsel Amselküken 1 Amselküken 2 Frau Aster
Ort
Das Stück spielt in einer Justizvollzugsanstalt.
Nebentext
Mit ihm kann frei umgegangen werden.
I Im Hof
Im Gefängnishof gehen Kevin, Jeremy, Özgür und Aslan ihre Runden. Abseits hopst...
Wie erzählen wir uns unsere eigene Geschichte? Welche Narrative (er)finden wir, um sie uns plausibel zu machen, rote Fäden einzuweben, die unsere heutige Identität, unser Weltbild unterstützen? Der libanesische Künstler Walid Raad (*1967) versetzt in seinen Performan -ces, Videos und Objekten diese Form der Bedeutungserzeugung in Bewegung. Oft genug, indem er sich...
