Unter Illusionsverdacht
Das Raumschiff ist nicht mehr das neueste. Schlappe 500 Jahre hat das Starship schon auf dem Tacho und seine Commanderin, Queen Lear, auf dem Buckel. Zeit für einen Neuanfang. Die Technik hält zwar gerade noch einigermaßen, auch wenn ein paar Schrauben locker sind, beim Asteroidenslalom der Kabelsalat aus dem Schaltbrett quillt und sich der alte Galaxien-Gleiter zielstrebig dem Elektroschrott nähert. Nur die Biologie schwächelt noch mehr. Corinna Harfouch sitzt sichtlich ermattet in ihrem Cockpit und regelt die dringend nötige Nachfolge, als ihr der alte Lear-Fehler unterläuft.
Sie trennt den Planeten Erde, ihr altes Heimatreich, für die drei Kinder nicht in drei, sondern nur in zwei Teile, weil sich Lieblingstochter Cordelia den geforderten formelhaften Liebesbekundungen entzieht. Shakespeares altbekanntes Unheil zieht herauf.
Soeren Voima (aka der Berliner Schaubühnen-Dramaturg Christian Tschirner) hat Shakespeares Klassiker vom verstockten alten Herrscher in eine Retro-SciFi-Kulisse mit einer Prise «Star Wars» umgedichtet und in eine aktuelle Zukunft verlegt, die leider auch nicht friedlicher ausfällt als die Vorlage. Um eine zentrale Botschaft gleich vorwegzunehmen: Macht und ...
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Theater heute April 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Franz Wille
Der Link zwischen den Best-of-Festivals Berliner Theatertreffen und Mülheimer Stücke heißt Sivan Ben Yishai: Nach Berlin kommt Pinar Karabuluts Münchner Inszenierung von «Like Lovers do (Memoiren der Medusa)», nach Mülheim «Wounds are forever (Selbstporträt als Nationaldichterin)» aus Mannheim.
Ja, mach nur einen Plan. Brechts spöttischer Vers bringt Weltläufte und...
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