Das kurze Gefühl der Freiheit

Marie Schleef und Anne Tismer kratzen an der Blumentapete, und She She Pop lädt zum Generationen-Wetttanz

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Die Nachricht vom Tod ihres Mannes trifft Louise Mallard unvermittelt. Trauernd zieht sie sich in ihr Schlafzimmer zurück, allein. Doch nachdem der erste Schmerz abklingt, das überwältigende Gefühl von Verlust und Orientierungslosigkeit, stellt sie fest, dass sich etwas anderes, bislang Unbekanntes Bahn bricht: das Gefühl von Freiheit. «Die Geschichte einer Stunde», 1894 von Kate Chopin veröffentlicht, umfasst genau die Zeitspanne, in der die Möglichkeit eines selbstbestimmten weiblichen Lebens auftaucht – und wieder verschwindet.

Neben der titelgebenden nimmt Regisseurin Marie Schleef noch eine zweite, ungefähr gleichzeitig erschienene Kurzgeschichte zum Ausgangspunkt der stummen Performance im Ballhaus Ost. «Die gelbe Tapete», 2013 bereits von Katie Mitchell an der Berliner Schaubühne inszeniert, ist ein weiteres Werk des frühen US-amerikanischen Feminismus. Charlotte Perkins Gilman entwirft darin die kurze Chronik einer (wahrscheinlich postnatalen, autobiografischen) Depression, die sukzessive in Wahnsinn abgleitet. Das Muster der gelben Tapete im Krankenzimmer der Patientin wird dabei zum Abbild ihres Selbstverlusts. 

Für Anne Tismers Spiel hat Jule Saworski zwei nebeneinander ...

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Theater heute April 2022
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Anja Quickert

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