Unsichtbare Wut
Es ist wieder da. Bösartig, wie es genannt wird, vermutlich auch wegen seiner Gleichgültigkeit, ist das Geschwür in den Bauch zurückgekehrt. Es hat diese Drüse befallen, die im gesunden Fall Enzyme und Hormone speichelt. Das Pankreas. Ein fleißiges, unauffälliges, schwer verzichtbares Organ.
Der Frau mit der Rezidivdiagnose in der Saarbrücker Uraufführung von Maria Milisavljevics neuem Stück leiht Martina Struppek Gesicht und Emotionen – und von Letzteren ruft Franziska Stuhrs Inszenierung vor allem die radikalen auf.
Es geht hier ja um eine verteidigungsbereite «Blutschwester», die auf die Diagnose und die irgendwie unnötig bebrillte Arzt-Frage «Was tun wir?» so klarsichtig erwidert: «Ich weiß nicht, was Sie tun. Aber ich werde kämpfen.» Und das sagt sie, obgleich sie eine neuerliche Chemotherapie ablehnt. Zu höllisch quält sie allein der Gedanke an die neuropathischen Folgeschmerzen vom letzten Mal. Gesunder Trotz als Überlebensstrategie: angesichts der Lage vielleicht die aussichtsreichste Option.
Prompt wirft sich die namenlose Protagonistin an die Brust der Mythologie, beschwört den Beistand der Erinnyen, die sich in Gestalt von Anna Jörgens und Lea Ostrovskiy nicht lange ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Stephan Reuter
In den Zwanzigern scheint einem das Leben offen zu stehen. Gelegentlich stößt man aber auch auf verschlossene Türen. Dann heißt es: anklopfen, umdrehen oder radikal einrennen. Und plötzlich ist man mittendrin. Zwanzig Jahre alt und immer noch radikal jung, wird in diesem Jahr das Theaterfestival für junge Regieführende am Münchner Volkstheater, das Intendant...
Doll, diese Kostüme: eine Mischung aus barockem Adel-Outfit, Fasching und ein biss -chen Haute Couture. Die Ausstatterin Yassu Yabara durfte sich sichtbar ausleben in Elfriede Jelineks Überschreibung von Oscar Wildes Gesellschaftskomödie «Der ideale Mann», die der Regisseur Marco Štorman jetzt auf die Bühne des Stuttgarter Schauspiels gebracht hat. Darin geht es...
Was haben Asiawochen in einem Fastfood- Restaurant mit Völkermord zu tun? Wer käme darauf, beim Genuss eines Burgers mit exotischen Gewürzen oder einem Thai-Curry-Chicken an Kolonialismus und Imperialismus zu denken und sich deshalb gleich den Geschmack verderben zu lassen? Es gibt sie, diese Zusammenhänge, die man sich besser nicht auf der Zunge zergehen lassen...
