Unsichtbare Wut

Maria Milisavljevic «Blutschwester» (U)am Staatstheater Saarbrücken

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Es ist wieder da. Bösartig, wie es genannt wird, vermutlich auch wegen seiner Gleichgültigkeit, ist das Geschwür in den Bauch zurückgekehrt. Es hat diese Drüse befallen, die im gesunden Fall Enzyme und Hormone speichelt. Das Pankreas. Ein fleißiges, unauffälliges, schwer verzichtbares Organ.

Der Frau mit der Rezidivdiagnose in der Saarbrücker Uraufführung von Maria Milisavljevics neuem Stück leiht Martina Struppek Gesicht und Emotionen – und von Letzteren ruft Franziska Stuhrs Inszenierung vor allem die radikalen auf.

Es geht hier ja um eine verteidigungsbereite «Blutschwester», die auf die Diagnose und die irgendwie unnötig bebrillte Arzt-Frage «Was tun wir?» so klarsichtig erwidert: «Ich weiß nicht, was Sie tun. Aber ich werde kämpfen.» Und das sagt sie, obgleich sie eine neuerliche Chemotherapie ablehnt. Zu höllisch quält sie allein der Gedanke an die neuropathischen Folgeschmerzen vom letzten Mal. Gesunder Trotz als Überlebensstrategie: angesichts der Lage vielleicht die aussichtsreichste Option.

Prompt wirft sich die namenlose Protagonistin an die Brust der Mythologie, beschwört den Beistand der Erinnyen, die sich in Gestalt von Anna Jörgens und Lea Ostrovskiy nicht lange ...

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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Stephan Reuter

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