Ringen um Gleichgewicht
Was haben Asiawochen in einem Fastfood- Restaurant mit Völkermord zu tun? Wer käme darauf, beim Genuss eines Burgers mit exotischen Gewürzen oder einem Thai-Curry-Chicken an Kolonialismus und Imperialismus zu denken und sich deshalb gleich den Geschmack verderben zu lassen? Es gibt sie, diese Zusammenhänge, die man sich besser nicht auf der Zunge zergehen lassen möchte.
Es verschlägt einem den Appetit, wenn hinter einem simplen Fleischklops die Geschichten von Unterdrückung, Völkermord, Identitätsverlust auftauchen, die Parallelen von Ereignissen im fernen Osten zu nationalistischen Entwicklungen vor unserer Haustür deutlich werden. Da helfen dann auch die lustigen McDonalds-Clowns nicht mehr, die zynisch heiter auf die Pauke hauen, aber einem doch eher vorkommen wie gruselige Geister des schlechten Gewissens.
In Yannic Han Biao Federers Stück «Asiawochen» kommt es zu diesen Begegnungen und Überschneidungen großer historischer und politischer Gleichzeitigkeiten mit sehr persönlichen Emotionen von Menschen, die mit Vergangenheiten konfrontiert werden, die längst nicht aufgearbeitet sind. Das Werk wurde beim Heidelberger Stückemarkt im vergangenen Jahr mit dem Autorenpreis ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Festivals, Seite 34
von Bernd Noack
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