Ringen um Gleichgewicht
Was haben Asiawochen in einem Fastfood- Restaurant mit Völkermord zu tun? Wer käme darauf, beim Genuss eines Burgers mit exotischen Gewürzen oder einem Thai-Curry-Chicken an Kolonialismus und Imperialismus zu denken und sich deshalb gleich den Geschmack verderben zu lassen? Es gibt sie, diese Zusammenhänge, die man sich besser nicht auf der Zunge zergehen lassen möchte.
Es verschlägt einem den Appetit, wenn hinter einem simplen Fleischklops die Geschichten von Unterdrückung, Völkermord, Identitätsverlust auftauchen, die Parallelen von Ereignissen im fernen Osten zu nationalistischen Entwicklungen vor unserer Haustür deutlich werden. Da helfen dann auch die lustigen McDonalds-Clowns nicht mehr, die zynisch heiter auf die Pauke hauen, aber einem doch eher vorkommen wie gruselige Geister des schlechten Gewissens.
In Yannic Han Biao Federers Stück «Asiawochen» kommt es zu diesen Begegnungen und Überschneidungen großer historischer und politischer Gleichzeitigkeiten mit sehr persönlichen Emotionen von Menschen, die mit Vergangenheiten konfrontiert werden, die längst nicht aufgearbeitet sind. Das Werk wurde beim Heidelberger Stückemarkt im vergangenen Jahr mit dem Autorenpreis ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2026
Rubrik: Festivals, Seite 34
von Bernd Noack
Theater heute Eigentlich wollten Sie als – pardon – ältere, weiße, mitteleuropäische Männer gar nicht mit uns über Theater der Welt in Chemnitz reden, sondern haben auf die neun internationalen Kurator:innen verwiesen, die das Programm verantworten. Das ließ sich aber organisatorisch nicht herstellen, also sind Sie freundlicherweise doch eingesprungen. Das Festival...
Ich weiß nicht, wie ich das heute schaffen soll. Ich bin unendlich müde und ausgelaugt, mein Körper fühlt sich an wie ein schwerer nasser Sack, der nichts mit mir zu tun haben will. Mich belasten private Sorgen, ich kann schwer an irgendwas anderes denken. Aber ich habe heute Vorstellung. Dasselbe Stück wie vorgestern, da war es richtig gut. Der Gedanke daran, dass...
Wer war nochmal Friedrich Nietzsche? Ein Philosoph, der Gott für tot erklärte – und im Wahn in Turin ein gepeitschtes Pferd umarmte. Um anschließend, gewinnbringend ausgeschlachtet und dement, jahrzehntelang bei seiner antisemitischen Schwester dahinzuvegetieren.
Die Werkkenntnis des bekanntesten Philosophen des 20. Jahrhunderts kann heute nicht mehr ohne Weiteres...
