Fische ohne Wasser
Doll, diese Kostüme: eine Mischung aus barockem Adel-Outfit, Fasching und ein biss -chen Haute Couture. Die Ausstatterin Yassu Yabara durfte sich sichtbar ausleben in Elfriede Jelineks Überschreibung von Oscar Wildes Gesellschaftskomödie «Der ideale Mann», die der Regisseur Marco Štorman jetzt auf die Bühne des Stuttgarter Schauspiels gebracht hat. Darin geht es um Intrigen, geheime Absprachen im Wirtschafts- und Politklüngel, um Sex und Korruption. So droht die intrigante Mrs. Chevely die Karriere und Ehe des Parlamentariers Sir Robert Chiltern zu ruinieren.
Sie weiß von seinen früheren Korruptionsgeschäften und erpresst ihn nun in eigener Sache: Er soll ihr bei der Durchsetzung eines zum Scheitern verurteilten Bauprojekts helfen, an dem jetzt sie verdienen will. Wilde und Jelinek – eine gewagte Mischung. Zwei völlig konträre Dichter:innen kommen da zusammen. Der eine steht für pointierte Dialoge voller Ironie, für den leichten und eleganten Witz, für Unterhaltung. Die andere für politische Ungemütlichkeit, Sprachkritik und -zerlegung, für Brüche und Brachial-Kalauer. Und das genau ließ sie Wildes Stück auch angedeihen. Nahm Wilde in seiner Satire auf die viktorianische ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Verena Großkreutz
Wer war nochmal Friedrich Nietzsche? Ein Philosoph, der Gott für tot erklärte – und im Wahn in Turin ein gepeitschtes Pferd umarmte. Um anschließend, gewinnbringend ausgeschlachtet und dement, jahrzehntelang bei seiner antisemitischen Schwester dahinzuvegetieren.
Die Werkkenntnis des bekanntesten Philosophen des 20. Jahrhunderts kann heute nicht mehr ohne Weiteres...
Lüneburg ist ein wichtiger Ort für die deutsche Vergangenheitsaufarbeitung. Hier fand 1945 mit dem Bergen-Belsen-Prozess die erste große juristische Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen statt und 2015 mit dem Prozess gegen Oskar Gröning, den damals 93-jährigen «Buchhalter von Auschwitz», wahrscheinlich eine der letzten. Außerdem wurde hier schon im Mai 1945 die...
Sind wir nicht alle Flaneure durch das kurze Leben, Schiffe zu einem Hafen, den wir nicht kennen, Gäste einer Herberge, bevor die Postkutsche des Abgrunds eintrifft? So schreibt es der portugiesische Dichter Fernando Pessoa, für den das wohl ganz besonders gilt. Sein «Buch der Unruhe» gelangte zu Weltruhm, obwohl es nur Fragmente enthält: Melancholische Aphorismen...
