Fische ohne Wasser

Elfriede Jelinek/Oscar Wilde «Der ideale Mann» am Schauspiel Stuttgart

Theater heute - Logo

 

Doll, diese Kostüme: eine Mischung aus barockem Adel-Outfit, Fasching und ein biss -chen Haute Couture. Die Ausstatterin Yassu Yabara durfte sich sichtbar ausleben in Elfriede Jelineks Überschreibung von Oscar Wildes Gesellschaftskomödie «Der ideale Mann», die der Regisseur Marco Štorman jetzt auf die Bühne des Stuttgarter Schauspiels gebracht hat. Darin geht es um Intrigen, geheime Absprachen im Wirtschafts- und Politklüngel, um Sex und Korruption. So droht die intrigante Mrs. Chevely die Karriere und Ehe des Parlamentariers Sir Robert Chiltern zu ruinieren.

Sie weiß von seinen früheren Korruptionsgeschäften und erpresst ihn nun in eigener Sache: Er soll ihr bei der Durchsetzung eines zum Scheitern verurteilten Bauprojekts helfen, an dem jetzt sie verdienen will. Wilde und Jelinek – eine gewagte Mischung. Zwei völlig konträre Dichter:innen kommen da zusammen. Der eine steht für pointierte Dialoge voller Ironie, für den leichten und eleganten Witz, für Unterhaltung. Die andere für politische Ungemütlichkeit, Sprachkritik und -zerlegung, für Brüche und Brachial-Kalauer. Und das genau ließ sie Wildes Stück auch angedeihen. Nahm Wilde in seiner Satire auf die viktorianische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Verena Großkreutz

Weitere Beiträge
Steckenpferdparade

Ab der übernächsten Spielzeit sollen Clara Weyde, Bastian Lomsché und Clemens Leander die Leitung des Leipziger Schauspiels übernehmen. Dass ihr Konzept, ein Haus zu leiten, funktioniert, haben sie in den letzten vier Jahren am Theater Magdeburg gezeigt. Auch auf der Bühne arbeiten die drei – die Regisseurin, der Dramaturg und der Kostümbildner – immer wieder...

Unsichtbare Wut

Es ist wieder da. Bösartig, wie es genannt wird, vermutlich auch wegen seiner Gleichgültigkeit, ist das Geschwür in den Bauch zurückgekehrt. Es hat diese Drüse befallen, die im gesunden Fall Enzyme und Hormone speichelt. Das Pankreas. Ein fleißiges, unauffälliges, schwer verzichtbares Organ.

Der Frau mit der Rezidivdiagnose in der Saarbrücker Uraufführung von Maria...

Impressum TH 6/26

Pläne der Redaktion
Wilfried Schulz verabschiedet sich nach zehn Jahren vom Düsseldorfer Schauspielhaus, dem er ein neues Selbstverständnis gegeben hat: eine Bilanz

Wer kann von sich behaupten, vom Schauspieler zum Bühnenbildner zum Regisseur ge- wechselt zu sein? Wolfgang Menardi! Ein Porträt

Wenn schon Nostalgie, warum dann nicht eine Orwell-Verfilmung von...