Fische ohne Wasser
Doll, diese Kostüme: eine Mischung aus barockem Adel-Outfit, Fasching und ein biss -chen Haute Couture. Die Ausstatterin Yassu Yabara durfte sich sichtbar ausleben in Elfriede Jelineks Überschreibung von Oscar Wildes Gesellschaftskomödie «Der ideale Mann», die der Regisseur Marco Štorman jetzt auf die Bühne des Stuttgarter Schauspiels gebracht hat. Darin geht es um Intrigen, geheime Absprachen im Wirtschafts- und Politklüngel, um Sex und Korruption. So droht die intrigante Mrs. Chevely die Karriere und Ehe des Parlamentariers Sir Robert Chiltern zu ruinieren.
Sie weiß von seinen früheren Korruptionsgeschäften und erpresst ihn nun in eigener Sache: Er soll ihr bei der Durchsetzung eines zum Scheitern verurteilten Bauprojekts helfen, an dem jetzt sie verdienen will. Wilde und Jelinek – eine gewagte Mischung. Zwei völlig konträre Dichter:innen kommen da zusammen. Der eine steht für pointierte Dialoge voller Ironie, für den leichten und eleganten Witz, für Unterhaltung. Die andere für politische Ungemütlichkeit, Sprachkritik und -zerlegung, für Brüche und Brachial-Kalauer. Und das genau ließ sie Wildes Stück auch angedeihen. Nahm Wilde in seiner Satire auf die viktorianische ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Verena Großkreutz
Sind wir nicht alle Flaneure durch das kurze Leben, Schiffe zu einem Hafen, den wir nicht kennen, Gäste einer Herberge, bevor die Postkutsche des Abgrunds eintrifft? So schreibt es der portugiesische Dichter Fernando Pessoa, für den das wohl ganz besonders gilt. Sein «Buch der Unruhe» gelangte zu Weltruhm, obwohl es nur Fragmente enthält: Melancholische Aphorismen...
Nicht ein Clown, sondern viele: Ein ganzes Zirkusbestiarium bevölkert die Manege bei Antú Romero Nunes’ Inszenierung von Charles Dickens’ «Hard Times». Es gibt hier Tier-Mensch-Wesen, Artist:innen, Weißclowns, einen Dummen August und mittendrin einen Zirkusdirektor, den Cino Djavid mit Lispelstimme, schlecht sitzendem Anzug und extrem unvorteilhafter Perücke...
Nikos Mavrakis:
In einem Europa, geprägt von Krieg und extremer Rhetorik, sehe ich das Theater als einen Ort der Befreiung. Als eine Auszeit von schnelllebigen Erzäh lungen und inhaltsleeren Botschaften. Es ist ein Ort, an dem etwas Wahres und Gerechtes ausgesprochen wird. Unsere Räume fungieren als Enklaven des Wider stands, wo wir uns versammeln, um...
