Unbeweisbar wahr

Regula Schröter über Daniel Kehlmanns «Geister in Princeton»

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Princeton Anfang der 50er Jahre: Täglich verlässt ein ungleiches Freundespaar gegen Abend das Institute for Advanced Study und spaziert, tief in Diskussionen verstrickt, durch die Straßen der beschaulichen Universitätsstadt. Der eine ist der weltberühmte Physiker Albert Einstein, lebenslustig, wohlgenährt, meist ohne Socken unterwegs; sein Begleiter ist Kurt Gödel: der größte Logiker seit Aris­toteles, menschenscheu, weltfremd, ausgezehrt und selbst im Sommer warm angezogen.

Einstein geht nur deshalb täglich ins Institut, um Gödel auf dem Heimweg begleiten zu dürfen, so fasziniert ist er von dessen schwindelerregendem Scharfsinn, der die Grundfeste positivistischer Wissenschaft ad absurdum führt. Umgekehrt ist Einstein für den weltabgewandten und zu Verfolgungs­wahn neigenden Gödel der einzige Mensch, in dessen Gegenwart er sich sicher fühlt. Erklären kann er dies nicht. Aber die Geister, die sonst zu ihm sprechen, sind während des Spazier­gangs still.

Dieser Spaziergang steht fast am Ende von «Geister in Princeton», Daniel Kehlmanns erstem Theaterstück. Princeton ist die letzte Lebensstation des revolutionären Logikers Kurt Gödel, der an Un­ter­ernährung sterben wird, weil er aus ...

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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 160
von Regula Schröter

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