Unbeweisbar wahr
Princeton Anfang der 50er Jahre: Täglich verlässt ein ungleiches Freundespaar gegen Abend das Institute for Advanced Study und spaziert, tief in Diskussionen verstrickt, durch die Straßen der beschaulichen Universitätsstadt. Der eine ist der weltberühmte Physiker Albert Einstein, lebenslustig, wohlgenährt, meist ohne Socken unterwegs; sein Begleiter ist Kurt Gödel: der größte Logiker seit Aristoteles, menschenscheu, weltfremd, ausgezehrt und selbst im Sommer warm angezogen.
Einstein geht nur deshalb täglich ins Institut, um Gödel auf dem Heimweg begleiten zu dürfen, so fasziniert ist er von dessen schwindelerregendem Scharfsinn, der die Grundfeste positivistischer Wissenschaft ad absurdum führt. Umgekehrt ist Einstein für den weltabgewandten und zu Verfolgungswahn neigenden Gödel der einzige Mensch, in dessen Gegenwart er sich sicher fühlt. Erklären kann er dies nicht. Aber die Geister, die sonst zu ihm sprechen, sind während des Spaziergangs still.
Dieser Spaziergang steht fast am Ende von «Geister in Princeton», Daniel Kehlmanns erstem Theaterstück. Princeton ist die letzte Lebensstation des revolutionären Logikers Kurt Gödel, der an Unterernährung sterben wird, weil er aus ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 160
von Regula Schröter
Es ist merkwürdig: Eigentlich gilt Berlin als Zentrum der Unzufriedenen und Protestierenden und Stuttgart als Ort, wo Reichtum und Zufriedenheit herrschen. Und jetzt ist Stuttgart das revolutionäre Zentrum und Berlin die Insel der Spießigkeit. Berlin hat sich aufgelöst in viele Szenen, die immer auf der Jagd nach den eigenen Projekten sind. Das eigene Leben...
Wut ist eine sekundäre Emotion. Menschen können Wut empfinden, wenn sie gerade mit etwas emotional Unmittelbarem zu kämpfen haben. Wenn wir zu kämpfen haben, weil wir mit Angst oder Traurigkeit oder auch Freude zurechtkommen müssen, kann es sein, dass sich dieser Kampf in Wut manifestiert.
Ich weiß nicht so recht, ob ich Wut für besonders inspirierend halte. Ich...
Ich komme gerade aus der 55. Vorstellung von «Verrücktes Blut» im Ballhaus Naunynstraße. Es ist der vorletzte Abend der Spielzeit und eine Premiere für vier Umbesetzungen. Rahel Jankowski, Erol Afsin, Emre Aksizoglu und Gregor Loebel sind in feste Ensembleverträge in Düsseldorf oder in Schauspielschulen nach Bern und Essen gegangen, Hasan Akkoush, Pinar Erincin,...
