Beschwipst vom heiteren Glanz

Matthias Hartmann verabschiedet sich mit Molières «Menschenfeind» von Bochum, und Ernst Stötzner wagt sich an Einar Schleefs «Nietzsche-Trilogie»

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Schampus für alle. Die Party steigt im Schauspielhaus. Champagner-Flaschen gehen durch die Reihen, die Schauspieler begrüßen die Zuschauer wie alte Bekannte: «Schön, dass ihr da seid.» Die Bühne ist sowieso nur die Fortsetzung des Zuschauerraums mit anderen Mitteln (oder umgekehrt), dessen Holztäfelung wurde auf der Bühne weitergeführt, dort stehen die Stühle auch schon aufgereiht für eine Präsentation. Inszenierung ist überall, alles ist Show. Der Kitt des Sozialen ist permanente Performanz. Was uns zusammenhält ist das, was wir uns vorspielen.

Matthias Hartmanns Abschiedsinszenierung nach fünf Jahren Intendanz in Bochum macht endlich Schluss mit dem deutschen Missverständnis, Molières «Menschenfeind» sei eine Tragödie. Pure Unterhaltung, eine Komödie ist es schließlich. Doch warum gibt es da diesen Alceste, diesen nörgelnden, inkonsequenten Moralisten? Er stürmt herein, schlägt mit der Faust auf den Plattenspieler, kämpft verzweifelt mit der unzerbrechlichen Vinyl-Platte. Ein komischer Berserker im aussichtslosen Kampf gegen das, was uns gefällt. Michael Maertens ist ein exzellenter Komiker: deutlich, ohne allzu störende Übertreibung, noch in der schlimmsten Verzweiflung so ...

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Theater heute Juni 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Gerhard Preußer

Vergriffen
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