Beschwipst vom heiteren Glanz
Schampus für alle. Die Party steigt im Schauspielhaus. Champagner-Flaschen gehen durch die Reihen, die Schauspieler begrüßen die Zuschauer wie alte Bekannte: «Schön, dass ihr da seid.» Die Bühne ist sowieso nur die Fortsetzung des Zuschauerraums mit anderen Mitteln (oder umgekehrt), dessen Holztäfelung wurde auf der Bühne weitergeführt, dort stehen die Stühle auch schon aufgereiht für eine Präsentation. Inszenierung ist überall, alles ist Show. Der Kitt des Sozialen ist permanente Performanz. Was uns zusammenhält ist das, was wir uns vorspielen.
Matthias Hartmanns Abschiedsinszenierung nach fünf Jahren Intendanz in Bochum macht endlich Schluss mit dem deutschen Missverständnis, Molières «Menschenfeind» sei eine Tragödie. Pure Unterhaltung, eine Komödie ist es schließlich. Doch warum gibt es da diesen Alceste, diesen nörgelnden, inkonsequenten Moralisten? Er stürmt herein, schlägt mit der Faust auf den Plattenspieler, kämpft verzweifelt mit der unzerbrechlichen Vinyl-Platte. Ein komischer Berserker im aussichtslosen Kampf gegen das, was uns gefällt. Michael Maertens ist ein exzellenter Komiker: deutlich, ohne allzu störende Übertreibung, noch in der schlimmsten Verzweiflung so ...
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Es war keine Magie im Spiel bei jenem «Unverhofften Wiedersehen», das Johann Peter Hebel in seiner bekannten Kalendergeschichte beschrieben hat. Eisensulfat hatte den Körper des jungen Bergmanns konserviert, den man fünfzig Jahre nach einem Minenunglück wiederfand. Grau und gebeugt trat eine Frau an die Bahre und erkannte das jugendliche Gesicht ihres Verlobten....
Dieser Text lässt sich nicht einfach abschütteln. Er nistet sich ein, beißt sich fest, kriecht ein paar Nächte lang übers Kopfkissen. Er hinterlässt Bilder eines abscheulichen Verbrechens: Nach der Lektüre sieht man mondbeschienene Feldwege vor sich, leere Bierkästen Marke «Sternburger» und Springerstiefel, die nach einem erschöpften Körper treten. Man hört einen...
Man kann es nicht mehr hören, das alberne Geraune um die mögliche Beteiligung der amerikanischen Regierung an den Anschlägen vom 11. September. Dadurch, so geht das Mantra linker Verschwörungstheorie, habe sich die Bush-Administration ihre geostrategischen Weihnachtswünsche endlich erfüllen und über Afghanistan und den Irak zur lang gehegten Weltumarmungsstrategie...
