Beschwipst vom heiteren Glanz
Schampus für alle. Die Party steigt im Schauspielhaus. Champagner-Flaschen gehen durch die Reihen, die Schauspieler begrüßen die Zuschauer wie alte Bekannte: «Schön, dass ihr da seid.» Die Bühne ist sowieso nur die Fortsetzung des Zuschauerraums mit anderen Mitteln (oder umgekehrt), dessen Holztäfelung wurde auf der Bühne weitergeführt, dort stehen die Stühle auch schon aufgereiht für eine Präsentation. Inszenierung ist überall, alles ist Show. Der Kitt des Sozialen ist permanente Performanz. Was uns zusammenhält ist das, was wir uns vorspielen.
Matthias Hartmanns Abschiedsinszenierung nach fünf Jahren Intendanz in Bochum macht endlich Schluss mit dem deutschen Missverständnis, Molières «Menschenfeind» sei eine Tragödie. Pure Unterhaltung, eine Komödie ist es schließlich. Doch warum gibt es da diesen Alceste, diesen nörgelnden, inkonsequenten Moralisten? Er stürmt herein, schlägt mit der Faust auf den Plattenspieler, kämpft verzweifelt mit der unzerbrechlichen Vinyl-Platte. Ein komischer Berserker im aussichtslosen Kampf gegen das, was uns gefällt. Michael Maertens ist ein exzellenter Komiker: deutlich, ohne allzu störende Übertreibung, noch in der schlimmsten Verzweiflung so ...
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Geschlossen» signalisieren wuchtig schwarze Lettern auf dem Vorhang. Doch die Drohgebärde gilt, gelegentlich aufflackernden Prophezeiungen zum Trotz, nicht dem liebenswert winzigen Theaterchen mit seinen knapp 300 Plätzen zu Füßen der Heideksburg. Gemeint ist ein ehemaliger Schweinestall, irgendwo in einem gottverlassenen östlichen Landstrich, in Oliver Bukowskis...
André Jung ist Thorsten Fechner. In zweiter Linie. In erster Linie ist André Jung natürlich Harpagnon, der Geizige von Molière, aber dieser Jungsche Geizige kommt nun in all seinen geldgierigen und triebunterdrückten Äußerungen exakt genau so daher wie der ebenfalls äußerst geizige Thorsten Fechner aus der ARD-Daily-Soap «Marienhof». Außerdem ist «Marienhof» die...
Boy, Cop, Mother, Dealer, Bitch und Boyfriend – das Personal in Paravidinos «Stillleben in einem Graben» entspricht den Grundbausteinen eines Krimisetzkastens. Und tatsächlich geht es in dem von Paravidino 2001 verfassten Stück ganz klassisch um eine schöne Frauenleiche. Ein Motiv, das seit jeher die grundlegende Störung der symbolischen Ordnung in der...
