Trash, Ironie und tiefere Bedeutung
Im Programm von Theater der Welt (siehe auch S. 18ff. in diesem Heft) finden sich Produktionen aus verschiedenen Orten der Theaterweltkarte: Auckland, Neu-Delhi, Nowosibirsk, Graz. Die Landeshauptstadt der Steiermark ist in Stuttgart mit einer Inszenierung vertreten, die zumindest in Österreich theatergeschichtliche Bedeutung hat – fast zwanzig Jahre nach der Uraufführung in Bonn wurde Elfriede Jelineks «Burgtheater» zum ersten Mal da gespielt, wo es hingehört.
Ursache der Verspätung: Die Autorin wollte das Stück ausschließlich am Burgtheater aufgeführt sehen; dort aber wagte nicht einmal der streitlustige Claus Peymann, es auf den Spielplan setzen. «Burgtheater» trifft Theaterösterreich an seiner verwundbarsten Stelle, der grenzenlosen Schauspielerverehrung; in der höhnischen «Posse mit Gesang» bringt Jelinek ein Tabu-Thema auf die Bühne: das opportunistische Verhalten der berühmten Burgschauspielerdynastie Hörbiger-Wessely während der Nazizeit. (Paula Wessely und ihr Mann Attila Hörbiger spielten Hauptrollen in dem üblen Propagandafilm «Heimkehr» von 1941.)
Jelinek, verwurstet à la Jelinek
Dass Jelinek schließlich der Grazer Off-Truppe Theater im Bahnhof (TiB) die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Geschichte des Hörspiels ist eine Geschichte von Kurzschlüssen. Das erste Hörspiel überhaupt, Richard Hughes’ «A Comedy of Danger», uraufgeführt vom Londoner Rundfunk am 15. Januar 1924, spielte in einem Bergwerk, in dem das Licht ausgefallen war. Ebenso kurzschlüssig meinte man, die Hörspielbühne sei als eine Art Blindentheater besonders für die Darstellung...
Der Skandal blieb aus, «die» Entdeckung ist es dann aber auch nicht gewesen: Als das Theater in Erlangen ankündigte, ein ausgegrabenes Stück des kommunistischen jüdischen Publizisten Alfred Kantorowicz (1899– 1979) uraufzuführen, das auch noch drohend den nackten Titel «Erlangen» trägt, witterten manche Bürger in einer Inszenierung des 1929 geschriebenen Dramas...
Die Szene sieht stark nach Geisterbahn aus und könnte so auch als «Haunted House» in Disneyland durchgehen. Oder als Setting eines gruseligen Computerspiels. Ein langer Tisch zieht sich über die volle Bühnenbreite, an dessen oberen Enden zwei grotesk aussehende fette Kinder sitzen – links ein in schrilles Gelb gewandetes Mädchen (Corinna Beilharz) und gegenüber ein...
