Trash, Ironie und tiefere Bedeutung
Im Programm von Theater der Welt (siehe auch S. 18ff. in diesem Heft) finden sich Produktionen aus verschiedenen Orten der Theaterweltkarte: Auckland, Neu-Delhi, Nowosibirsk, Graz. Die Landeshauptstadt der Steiermark ist in Stuttgart mit einer Inszenierung vertreten, die zumindest in Österreich theatergeschichtliche Bedeutung hat – fast zwanzig Jahre nach der Uraufführung in Bonn wurde Elfriede Jelineks «Burgtheater» zum ersten Mal da gespielt, wo es hingehört.
Ursache der Verspätung: Die Autorin wollte das Stück ausschließlich am Burgtheater aufgeführt sehen; dort aber wagte nicht einmal der streitlustige Claus Peymann, es auf den Spielplan setzen. «Burgtheater» trifft Theaterösterreich an seiner verwundbarsten Stelle, der grenzenlosen Schauspielerverehrung; in der höhnischen «Posse mit Gesang» bringt Jelinek ein Tabu-Thema auf die Bühne: das opportunistische Verhalten der berühmten Burgschauspielerdynastie Hörbiger-Wessely während der Nazizeit. (Paula Wessely und ihr Mann Attila Hörbiger spielten Hauptrollen in dem üblen Propagandafilm «Heimkehr» von 1941.)
Jelinek, verwurstet à la Jelinek
Dass Jelinek schließlich der Grazer Off-Truppe Theater im Bahnhof (TiB) die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Foyer der Kammerspiele ist in rotes Licht getaucht. Herzen zieren die Wand hinter einer Kleinkunstbühne, auf der in der Pause Chansons vorgetragen werden und Lebenspraktisches von Bertolt Brecht: «Am besten fickt man erst und badet dann.» Ein zweiter Raum empfängt in kühlem Neonambiente. Auf einer Leinwand laufen hausgemachte Kurzfilme über Liebeslust und...
Man könnte meinen, Katharina Schlender sei im Vorfeld ihres Stückes als Ermittlerin unterwegs gewesen und habe die Spuren eines tatsächlichen Mordfalles sichern wollen. Das Ganze ereignete sich 1999. Der Tote lag am Fuße der Göltschtalbrücke im Vogtland, und die Ermittlungsbehörden gingen zuerst einmal von Selbstmord aus. Sehr schnell wurde allerdings klar, dass...
Man kann es nicht mehr hören, das alberne Geraune um die mögliche Beteiligung der amerikanischen Regierung an den Anschlägen vom 11. September. Dadurch, so geht das Mantra linker Verschwörungstheorie, habe sich die Bush-Administration ihre geostrategischen Weihnachtswünsche endlich erfüllen und über Afghanistan und den Irak zur lang gehegten Weltumarmungsstrategie...
