Über Leben im Umbruch
In meinem Pankower Hinterhof wohnen seit ein paar Wochen neue Mieter. Junge Leute, wie nur noch selten im Kiez. Sie sind knapp zwanzig Jahre alt, tragen schwarze Klamotten, sitzen im Hof beim Bier und hören laute Musik. Die Musik stört mich weniger, dafür bin ich zu selten zu Hause, aber ein riesiges gelbes Ortseingangsschild, das sie unter ihren Wohnungsfenstern aufgestellt haben, weckt mein Interesse. Darauf steht: SEIFFEN Kreis Marienberg Bez. Karl-Marx-Stadt – ihrem Dialekt nach die Stadt ihrer Herkunft.
Wieso stellen sie 2009 dieses alte Schild in den Hof? Trödelromantik, Ostalgie oder Heimweh? Ich stelle mir für einen Moment sämtliche Höfe Berlins mit den unterschiedlichsten Ortseingangsschildern seiner zugezogenen Bewohner vor und finde den Gedanken amüsant. Im idyllischen Hinterhofgrün des sanierten Szenebezirks würden wieder Geschichten einziehen über verlassene Städte, Familien und Landschaften.
«Ich weiß, was ich nicht will. / Gratuliere. Soweit bin ich auch. / Wo ist dein Problem? / Gibt keins. / Schön.» Daniel und Ina waren einmal ein Paar. Nach der Schule hatten sie gemeinsam ihre Kleinstadt verlassen. Ina studiert in der Metropole. Zum Geburtstag des Großvaters ...
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Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 164
von Andrea Koschwitz
Alles falsch». So steht es in großen farbigen Lettern auf einem Plakat in dem sparsam eingerichteten Café «kwadrat» im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort, das Kathleen Morgeneyer für unser Treffen vorgeschlagen hat. Teil der Inszenierung? Sollte Stanislawski das hier aufgehängt haben, oder Strasberg oder ein anderer gestrenger Kunsterzieher? Ist die karge Bühne für...
Ich habe nie zu den Schauspielern gehört, die auf der Bühne weinen können. Schon auf der Schauspielschule hat uns diese Fähigkeit knallhart in zwei Klassen eingeteilt: in die schauspielerische Oberschicht, den Adel, wenn nicht sogar den hochtalentierten, heulenden Hochadel, die, denen echte Tränen übers Gesicht rinnen, und in die anderen: das Fußvolk, das...
Christoph Schlingensief ist nicht Erster geworden, aber gewonnen hat er auf der ganzen Linie. Kaum ein Künstler hat dieses Jahr im Theater für so viel Diskussionsstoff gesorgt wie der Regisseur, der seine Krebserkrankung und die damit verbundenen Zweifel, Ängste und Hoffnungen offensiv künstlerisch und in der Öffentlichkeit thematisiert hat. Und keiner wurde in so...
