Klytämnestras Blutrausch
Der giftige Saft der Tollkirsche (Atropa belladonna) verlieh, in die Augen geträufelt, einen träumerischen Blick und war ein Aphrodisiakum und Schönheitsmittel der Frauen; doch Atropa ist auch der Name der griechischen Schicksalsgöttin, die den Lebensfaden durchschneidet. Die Frauen, ob Mutter, Tochter, Gattin, Geliebte, Rivalin oder Feindin, ob Griechin oder Trojanerin, in «Atropa» werden sie zu Schicksalsschwestern in Liebe und Tod.
Das Stück ist eine Trilogie über Krieg, Gewalt, Liebe und die Macht der Sprache, in dem verstörend und eindrucksvoll immer wieder männliches Heldengetöse und Machtgefasel den Geschichten vom individuellen Leid der Frauen gegenüberstehen. Es sind Geschichten von rücksichtsloser Instrumentalisierung, von Tod und Auslöschung im Namen einer zweifelhaften «Kultur», Geschichten von Jungfrauen, die geschlachtet oder in den Wahnsinn getrieben werden, von verschleppten und versklavten Frauen, von Müttern, die ihre Kinder und Männer verlieren und schließlich ihr eigenes Leben. Doch es sind auch Geschichten von rasender, von blind machender, von unglücklicher und verhängnisvoller Lieabe in Zeiten des Krieges.
«Atropa – Die Rache des Friedens» von Tom Lanoye ...
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Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 166
von Frank Behnke
Der Rebell
Grün-lila-stichig flackert die digitalisierte Version eines 8mm-Films auf dem Bildschirm. Am trüben Himmel kreisen Hubschrauber. Passanten treten ins Bild; etliche von ihnen blicken misstrauisch in die Kamera. Mann trägt «Vokuhila» mit Schnauzbart, Frau Dauerwelle. Auf einem Parkplatz dösen Trabis. «Die Karl-Marx-Städter Innenstadt am 7. Oktober 89»,...
Vertrauensverlust und Erschöpfung scheinen in einem gegenwärtig leicht nachvollziehbaren Zusammenhang zu stehen. Die wichtigste Voraussetzung für einen Burn-out sind mangelhafte menschliche Bindungen. Offensichtlich scheint sich der seelische Akku nur im spielerischen, angstfreien Miteinander einander nahestehender Menschen wieder aufzuladen.
Dieser psychischen...
10. November
Leseprobe. Die Schauspieler, die Gosch um sich versammelt hat, haben alle schon mit ihm gearbeitet. Sie sind dabei gut gefahren. Jeder von ihnen weiß um seine Krankheit. Er beginnt mit der Bitte, man möge ihn nicht an den Schultern berühren. Die Metastasen seines Tumors haben sich unter die rechte Schulter geschoben. Angela Schanelec hat das Stück neu...
