Eine halbe Million Gedanken in einer Stunde
In der Höhe» ist ein Gasthof oberhalb von Salzburg in der Nähe der Irrenanstalt, in dem ein Gerichtssaalreporter und Aushilfslehrer am Mozarteum, der eine vage Ähnlichkeit mit Thomas Bernhard besitzt, mit der Vorstellung des Selbstmords experimentiert. Er macht einen Retttungsversuch im Schreiben und notiert die Elemente, aus denen er zusammengesetzt ist: sein Hund, die Menschen seiner Umgebung und sein verunglücktes Ich.
Der Gerichtssaalreporter, der häufig Leichen zu sehen bekommt, entnimmt seinem Alltag eine naheliegende Fantasie: Er ahmt das Denken eines Sterbenden nach, der durch Fremdeinwirkung zu Tode gekommen ist und in der ihm noch verbleibenden knappen Frist herausbekommen möchte, was ihm zugestoßen ist und welche Ursachen es dafür gibt. Das unmittelbar bevorstehende Ende befreit das Denken aus seinen Zwängen und konzentriert es auf die Aufgabe der Wahrheitsfindung. Das Material wird im Flug gesichtet, jedes Detail ist ein Beweisstück, jeder nicht zielführende Gedanke wird abgebrochen, es gibt nur kürzeste Denkwege.
«In der Höhe, Rettungsversuch, Unsinn», das letzte Buch, das Thomas Bernhard veröffentlicht hat, ist ein Fragment seines ersten Romans «Schwarzach – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 158
von Karl Baratta
Alles falsch». So steht es in großen farbigen Lettern auf einem Plakat in dem sparsam eingerichteten Café «kwadrat» im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort, das Kathleen Morgeneyer für unser Treffen vorgeschlagen hat. Teil der Inszenierung? Sollte Stanislawski das hier aufgehängt haben, oder Strasberg oder ein anderer gestrenger Kunsterzieher? Ist die karge Bühne für...
Uraufführungen
A Swetlana Alexijewitsch Vom Ende des roten Menschen (Schauspiel Hannover) ·· Lola Arias Familienbande (Münchner Kammerspiele) ·· Thomas Arzt Grillparz (Schauspielhaus Wien) ·· andcompany&Co. West in Peace – Der letzte Sommer der Indianer (Hebbel am Ufer, Berlin) ·· Auftrag : Lorey Geld (Schauspiel Frankfurt) ·· Jörg Albrecht noch ohne Titel (Theater...
Wie wäre es, könnte man an dieser Stelle nicht nur von Plänen erzählen, sondern wüsste schon, wie das Stück und seine Inszenierung würden? Wäre das wünschenswert? All die kühnen Ideen, Hoffnungen und Projekte blühen doch am buntesten in der Vorstellung. Es ist die Lust am Risiko und, allen Einwänden zum Trotz, der Wunsch, das Theater, die Kunst einmal mehr auf die...
