Eine halbe Million Gedanken in einer Stunde
In der Höhe» ist ein Gasthof oberhalb von Salzburg in der Nähe der Irrenanstalt, in dem ein Gerichtssaalreporter und Aushilfslehrer am Mozarteum, der eine vage Ähnlichkeit mit Thomas Bernhard besitzt, mit der Vorstellung des Selbstmords experimentiert. Er macht einen Retttungsversuch im Schreiben und notiert die Elemente, aus denen er zusammengesetzt ist: sein Hund, die Menschen seiner Umgebung und sein verunglücktes Ich.
Der Gerichtssaalreporter, der häufig Leichen zu sehen bekommt, entnimmt seinem Alltag eine naheliegende Fantasie: Er ahmt das Denken eines Sterbenden nach, der durch Fremdeinwirkung zu Tode gekommen ist und in der ihm noch verbleibenden knappen Frist herausbekommen möchte, was ihm zugestoßen ist und welche Ursachen es dafür gibt. Das unmittelbar bevorstehende Ende befreit das Denken aus seinen Zwängen und konzentriert es auf die Aufgabe der Wahrheitsfindung. Das Material wird im Flug gesichtet, jedes Detail ist ein Beweisstück, jeder nicht zielführende Gedanke wird abgebrochen, es gibt nur kürzeste Denkwege.
«In der Höhe, Rettungsversuch, Unsinn», das letzte Buch, das Thomas Bernhard veröffentlicht hat, ist ein Fragment seines ersten Romans «Schwarzach – ...
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Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 158
von Karl Baratta
10. November
Leseprobe. Die Schauspieler, die Gosch um sich versammelt hat, haben alle schon mit ihm gearbeitet. Sie sind dabei gut gefahren. Jeder von ihnen weiß um seine Krankheit. Er beginnt mit der Bitte, man möge ihn nicht an den Schultern berühren. Die Metastasen seines Tumors haben sich unter die rechte Schulter geschoben. Angela Schanelec hat das Stück neu...
1989 hat vieles verändert, aber vieles auch nicht: zum Beispiel die unverbrüchliche Begeisterung von Dramaturg(inn)en für neue Stücke. Ein Einblick in die noch unaufgeführten Texte der nächsten Saison – aus Liebhabersicht.
Nis-Momme Stockmann ist ein heißer Tipp. Verschiedenes hat er bereits geschrieben, einen Film gedreht, war mit zwei Stücken auf den beiden deutschen Stückemärkten. In Heidelberg hat er soeben den Autorenpreis gewonnen. Dabei ist er 28, und seine Stücke sind bis dato nicht aufgeführt. Noch nicht.
Wenn man die Stücke junger deutscher Dramatiker liest, fühlt man...
