Gesprochen und beglaubigt
Ich habe einen Preis bekommen für ein Stück, das zu einem großen Teil aus Reden besteht. Das müßte man nicht eigens betonen, aber es gibt ja auch Stücke, in denen keiner spricht. Boten berichten von etwas, von dem man nicht sprechen kann (im Unterschied zu Stücken, in denen man nicht unbedingt sprechen muß, aber darf) und von dem sie noch dazu ein Teil sind. Sie sprechen nicht von außen, die Boten, sie rufen es nicht von der Mauer herein, sondern sie sprechen von innen, und sie sprechen sich selbst.
Ich mache sehr viele, vielleicht zuviele (das wird mir oft vorgeworfen) Worte über etwas, von dem man sich kein Bild machen kann und von dem man nicht sprechen kann. Aber schweigen, was man vielleicht sollte – ein ungemein wichtiger Film über den Judenmord von Rechnitz am Ende des Zweiten Weltkriegs heißt: Totschweigen. Wenn man tot ist, schweigt man sowieso, aber beim Totschweigen bringt man auch noch das, von dem man nicht sprechen kann, noch einmal und immer wieder um, – schweigen kann ich eben auch nicht. Offensichtlich. Sie hören und sehen es ja! Ich würde vielleicht gern, aber ich kann nicht, obwohl schweigen viel leichter ginge als sprechen. Es gibt viel mehr Dinge, von denen ...
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