Über den Tod hinaus
Noch sind die notorischen Welterklärer:innen uneins, ob Künstliche Intelligenz das Ende der Menschheit bedeutet, oder doch nur, dass wir die öden Jobs machen, während Algorithmen das Dichten und Denken übernehmen. Im Drama «Der Fall McNeal» von Ayad Akhtar, das am Schauspiel Düsseldorf seine deutsche Erstaufführung feiert, gelingt Letzteres erschütternd gut: so gut, dass ein alter, rassistischer, misogyner Autor den Nobelpreis erhält – für die fulminante Einfühlung in seine weibliche Hauptfigur.
Der naheliegende Clou ist, dass Jacob McNeal (Thiemo Schwarz) den Erfolgsroman «Evie» nicht selbst geschrieben hat. Er hat, nach dem Suizid seiner Ehefrau, ein Large-Language-Model mit deren Tagebüchern und ihrem unveröffentlichten Prosawerk gefüttert. Die KI spuckte dann beachtliche Teile des gerühmten Romans aus.
Von solchen offensichtlichen Betrugsmöglichkeiten abgesehen, liefern Akhtars Stück und die Inszenierung von Philipp Rosendahl vor allem eine bestechende, aber simple Einschätzung zu KI: Wie andere technische Innovationen auch, wird sie die Machtverhältnisse, repräsentiert durch den alten weißen Mann, nicht sprengen sondern perpetuieren – noch über den Tod des Autors hinaus. ...
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Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Cornelia Fiedler
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