Über den Tod hinaus
Noch sind die notorischen Welterklärer:innen uneins, ob Künstliche Intelligenz das Ende der Menschheit bedeutet, oder doch nur, dass wir die öden Jobs machen, während Algorithmen das Dichten und Denken übernehmen. Im Drama «Der Fall McNeal» von Ayad Akhtar, das am Schauspiel Düsseldorf seine deutsche Erstaufführung feiert, gelingt Letzteres erschütternd gut: so gut, dass ein alter, rassistischer, misogyner Autor den Nobelpreis erhält – für die fulminante Einfühlung in seine weibliche Hauptfigur.
Der naheliegende Clou ist, dass Jacob McNeal (Thiemo Schwarz) den Erfolgsroman «Evie» nicht selbst geschrieben hat. Er hat, nach dem Suizid seiner Ehefrau, ein Large-Language-Model mit deren Tagebüchern und ihrem unveröffentlichten Prosawerk gefüttert. Die KI spuckte dann beachtliche Teile des gerühmten Romans aus.
Von solchen offensichtlichen Betrugsmöglichkeiten abgesehen, liefern Akhtars Stück und die Inszenierung von Philipp Rosendahl vor allem eine bestechende, aber simple Einschätzung zu KI: Wie andere technische Innovationen auch, wird sie die Machtverhältnisse, repräsentiert durch den alten weißen Mann, nicht sprengen sondern perpetuieren – noch über den Tod des Autors hinaus. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Cornelia Fiedler
Das Buch beginnt mit einem Verrat. Keinem erheblichen, nur einem kleinen Diebstahl zu Schulzeiten und seiner Verleugnung. Aber das Motiv ist sorgsam gesetzt und stellt zugleich den Anschluss an einen zentralen Topos der Zeit vor 1989 her, als Verdacht und Verrat zum täglichen Geschäft gehörten, als man auf des Messers Schneide lebte, in einem «Krieg ohne Schlacht»...
Illo, Isolani, Octavio und Max Piccolomini – Wallensteins Generäle und Offiziere in Schillers dreiteiligem Kriegsdrama spielen in Jan-Christoph Gockels Inszenierung an den Münchner Kammer-spielen Annette Paulmann, Katharina Bach, Annika Neugart und Johanna Eiworth. Aber wie spielt man einen solchen Mann ganz konkret? Und was geht einer dabei durch den Kopf? Ein...
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
5. nach Hub, Das letzte Schaf
R. Anja Junski
ANNABERG-BUCHHOLZ, ERZGEBIRGISCHE THEATER
13. Krasznay-Krausz, Die gelbe Lilie (DE)
R. Christian von Götz
AUGSBURG, STAATSTHEATER
13. Baudy, Tatort Augsburg Folge 9: Walsturz (U)
R. David Ortmann
BASEL, THEATER
12. Schamoni und Ensemble, Die Ritter des Mutterkorns
R. Rocko Schamoni
BAUTZEN,...
