Typisch Frauenfall
Streng genommen dürfte das neue Stück von Elfriede Jelinek natürlich nicht «Über Tiere» heißen, sondern «Wie die Tiere», schließlich geht es um Menschen. Andererseits gibt es «Wie die Tiere» schon, so heißt der vorletzte Brenner-Krimi von Wolf Haas, und die bekennende Haas-Verehrerin Jelinek kennt ihn natürlich.
Es geht dabei um einen Hundemörder im Wiener Augarten, aber Nebensache, und bald sitzt der Brenner, ein phlegmatischer John Wayne der österreichischen Landespolizei, mit der polnischen Prostituierten Magdalena in einer kleinen Wohnung über dem White Dog: «Beim Frühstück gibt es in einer Ehe immer die zwei Parteien, die eine tendiert zu Ruhe und Zeitung, die andere wünscht sich Gespräche und Lies-mir-wenigstens-das-Horoskop-vor. Ich weiß nicht, ob dir das auch schon aufgefallen ist, aber heute werden sich ja Männer und Frauen immer ähnlicher, und da ist es umso wichtiger für die Kinder, dass sie noch unterscheiden können, den mit dem Horoskop und den mit dem dumpfen Geschau.» Eigentlich ist da schon alles drin, was in «Über Tiere» auch vorkommt: die Prostituierten, das Verbrechen, der Geschlechtertausch, das Abgründige und vor allem – die Liebe. Aber jetzt zur Jelinek.
Natürl ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Helmut Krausser ist ein Vielschreiber mit Furor und einer oft übersehenen sentimentalen Ader. In «Afrika» schildert er die Kunstszene als das kapitalistische Prinzip schlechthin: Künstler sind hier die Anschaffer, die Welt macht sie käuflich, und alle, fast alle, machen mit.
Im Mittelpunkt steht die zynische Lucy, Mitte 50, im Begriff, ihre Galerie an einem neuen...
Was hätte aus dieser Cordelia, König Lears jüngster Tochter, nicht alles werden können! Aus einem seilhüpfenden, blonden Mädchen in Weiß, das mit einem hübschen Unschuldslächeln um eine Krone herumturnt, die wie ein Spielzeug in der Mitte der Riesenbühne des Wiener Burgtheaters ganz goldig daliegt – wie die Krone eines Märchenprinzen, von dem alle Mädchen wie sie...
Im Sommer des Jahres 1994 saß ich an einem besonders heißen Tag auf einer Parkbank und schaute einem aufgebrachten Schwan dabei zu, wie er einen Mann quer über den Rasen jagte. Er gab dabei böse Laute von sich, und der Mann schlug Haken und flitzte, als nichts zu helfen schien, bei Rot über die Straße. Komischerweise blieb der Schwan stehen, drehte sich um und...
