TSCH. TSCH. TSCH.

Wiener Grippe/KW77 Lydia Haider, Barbi Markovic, Maria Muhar, Stefanie Sargnagel «Tuntschi. Eine Häutung»

Im Dezember 2020 unternehmen vier österreichische Autorinnen einen Roadtrip durch die pandemiegelähmte Schweiz. Im Gepäck haben sie einen sorgsam ausgearbeiteten Reiseplan, Gnocchi und Tomatensauce, wahrscheinlich ein paar Flaschen Alkohol – und eine Gummipuppe, männlich. Es soll ein Selbsterfahrungstrip werden, eine Reise in die Vergangenheit und die kollektiven Abgründe des Nachbarlandes Schweiz, eine Begegnung mit der sagenhaften Ahnin aller heutigen Avatare, KIs und Sexpuppen: dem Sennentuntschi. 

«Ich denke über eine Tuntschi-Armee nach, die alle Männer häutet.

Armeen funktionieren gut in der Schweiz. Die lieben das Militärische», ist L überzeugt. B möchte auf der Reise gern die Schweizer Seele kennenlernen. M hat sich intensiv auf die Reise vorbereitet und alles gelesen, «zuletzt eine kulturtheoretische Abhandlung zur Bedeutung der Haut». «Klingt anstrengend», meint S. Sie hat sich vorsorglich länger nicht geduscht, um richtig wild und verwahrlost anzukommen und sich den Schweizern als Tuntschi anzubieten. «Als die Eidgenossen meine Scheid genossen», dichtet sie schon im Flugzeug. 

Die Geschichte um das Sennentuntschi geistert seit langem durch die Täler der Alpen. Es gibt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 162
von Felicitas Zürcher

Weitere Beiträge
«Nicht reden, einfach weitermachen»

Da war doch was. Richtig, ganz links hinten im Keller, dort, wo die alten abgelegten Selbstfeiern von Intendanten (damals in aller Regel männlich) lagern, die sich in dicken Büchern nach fünf Jahren Amtszeit eine «Ära» bescheinigt und in teuren Prachtbänden eingesargt haben, da wartet er geduldig, der einsame, graue Diamant. «War da was?» hieß demonstrativ...

Die 360°-Kamera sieht alles

«Über die Fiktion der Kunst lernen wir die Welt besser zu verstehen.» 
Xenia Hausner

Die Zeit der durchweg geschlossenen Theater war auch eine der Suche nach neuen Bühnen und anderen Erlebnis-Räumen. Gefunden haben wir eine Erweiterung unserer ästhetischen und operativen Möglichkeiten. Hielten wir es in Vor-Pandemie-Zeiten noch für schwierig bis ausgeschlossen, zur...

Am Gelde hängt doch alles

Im Jahr 1916 erscheint Franziska Gräfin zu Reventlows Buch «Der Geldkomplex». Es spielt in einem Setting, das wir von Thomas Manns acht Jahre später erschienenem «Zauberberg» gut kennen: einem Sanatorium. Reventlows Hauptfigur leidet, ähnlich wie die Autorin, an permanenter Geldknappheit. Nach neuestem medizinischen Wissensstand der Freudschen Psychoanalyse wird...