Mehr Konflikte wagen!

Der Soziologe Aladin El-Mafaalani über Identitätspolitik, Integration und Rassismus, die Ordnung der Gesellschaft, geplatzte Versprechen, die Ambivalenz von Öffnungsprozessen und Strategien der Veränderung – ein Gespräch

Theater heute - Logo

Theater heute Wir wollen mit Ihnen über Identitätspolitik, Integration und Rassismus sprechen, die in der Mitte der Mehrheitsgesellschaft, auch der weißen Mehrheitsgesellschaft angekommen sind als Debatte und Diskussion – auch im Theater. Sie kennen das Problemfeld aus den verschiedensten Perspektiven: Sie sind Soziologe, haben als Lehrer gearbeitet, waren im NRW-Familienministerium Abteilungsleiter für Integration und Integrationspolitik, sind jetzt Hochschullehrer und haben zwei populäre Sachbücher veröffentlicht.

Und außerdem ist die in den Niederlanden arbeitende Regisseurin Ola Mafaalani Ihre Schwester. Im ersten Ihrer Bücher, «Das Integrationsparadox», breiten Sie einige Widersprüche aus, die zunächst ziemlich kontraintuitiv erscheinen. Ich zitiere Sie: «Wenn Integration oder Inklusion oder Chancengleichheit gelingt, dann wird die Gesellschaft nicht homogener, nicht harmonischer und nicht konfliktfreier. Nein, das Gegenteil ist viel wahrscheinlicher. Die zentrale Folge gelungener Integration ist ein erhöhtes Konfliktpotenzial.» – Bitte erklären Sie uns das!
Aladin El-Mafaalani Das Integrationsparadox reflektiert im Prinzip Dinge noch mal neu, die in der soziologischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Zeitenwende, Seite 6
von Eva Behrendt und Franz Wille

Weitere Beiträge
Aufgaben für die Zukunft des Balletts

Unruhig schleicht der Tänzer um die Bühne, wo Tänzerinnen und Tänzer ihre Kostüme aus den Kisten holen und das Bühnenbild langsam aufgebaut wird. Nervös und ungeduldig beobachtet er, wie das Ballett, eine Rekonstruktion von Jean Börlins «La création du monde» von 1923 für die Ballet Suédois in Paris choreografiert und uraufgeführt, vor ihm eingerichtet wird....

Gespräche in der Grauzone

Ein kalter, sonnig-stürmischer Maientag in Berlin. Ein knappes Dutzend Pressevertreter teilt sich FFP2-maskiert im nüchternen Raum des Landesarbeitsgerichts die paar Stühle, die nicht mit rotweißem Flatterband abgesperrt sind. Beklommene Stimmung: Wird sie gleich kommen, Shermin Langhoff, die ins Feuer geratene Intendantin des Gorki, das so lange das Role Model war...

Anfassen, Hören, Riechen

Eine meiner Lieblingsanekdoten stammt von meinem Freund Jonas. Sein Ein-Personen-Klassenzimmer-Stück dauert etwa 45 Minuten, danach folgt ein ebenso langes Gespräch mit allen Schüler:innen in großer Runde. Reihum soll jede:r erzählen, woran sie bzw. er sich erinnern kann. Nach ein paar mehr oder weniger wortreichen Beschreibungen kommt ein Junge im schwarzen...