Tristesse totale

Katharina Schlender «Rosige Zeiten»

Theater heute - Logo

Life sucks. Die vier Figuren in Katharina Schlenders neuem Stück «Rosige Zeiten» können ein Lied davon singen und tun dies auch im Verlauf des Abends noch zur Genüge. Sie heißen Bruno Butterbrot, Eddi Essig, Henry Heiser und Mila Mittenzwei und scheinen einem Kinderstück entsprungen, das wegen Überschreitung des Grenzwerts für chronische Depression keine Jugendfreigabe bekommen hat.

Sie leben nicht mehr, aber zappeln noch: in zerrissenen sozialen Netzen, am Rande des Nervenzusammenbruchs, wie die alleinerziehende Mutter Mila, und allesamt am Haken hoffnungsloser Einsamkeit moderner Großstadtsingles jenseits der 40.

Bruno ist eher der bodenständige Typ, Hilfsarbeiter aus Leidenschaft, der sich nichts Schöneres vorstellen kann, als «gebraucht werden» und wie ein «Rädchen im Getriebe» zu funktionieren. Dafür trinkt er ohne mit der Wimper zu zucken Öl aus Wassergläsern, damit alles «läuft wie geschmiert», und lässt sich auch sonst nicht unterkriegen nach dem Motto: «Man darf sich nicht mit sich selber langweiln. Muss sich für sich interessiern. Kein anderer tut das. Interessier dich für dich dann ist was geschafft.»

Eddi Essig hat da so seine Zweifel. Er raucht. Ein Lebenszeichen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2005
Rubrik: Chronik, Seite 33
von Silvia Stammen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ächzende Kleinfamilien

Ungefähr fünfzehn dürfte der Knabe sein, der in Claudius Lünstedts «Zugluft» so seine Probleme mit den lieben Eltern hat. Er lebt in einer Familie, die als Beleg der These fungiert, dass sich in deutschen Haushalten seit einiger Zeit ein Erziehungsvakuum ausbreitet, in dem vor allem zunehmend autoritätsresistente und gewaltbereite Jungen heranwachsen. Der...

Brachiale Transplantationsforschung

Ein Biomediziner, der Frau und Kind Schweineherzen einpflanzt, um sich dereinst zum Retter der geklonten Menschheit auszurufen. Ein Terrorist, der ahnungslosen Hotelbettinsassen eine fette Knarre an den schlaftrunkenen Schädel drückt, um sich mal wieder wild und frei zu fühlen. Zwei Schauspieler, die dazu neigen, sprunghaft aus der Rolle zu fallen, um sich an...

Das Blubbern von Llareggub

Dieses «Spiel für Stimmen» ist ein exemplarisches Hörspielwerk der Stimmenvielfalt. Darum geht es zuallererst, und nun besteht die Gelegenheit, gleich drei Versionen im Vergleich zu hören: Das von der BBC in Auftrag gegebene Hörspiel wurde 1954 produziert, allerdings erst 1963 vollständig gesendet. In ihm wird die wichtigste und umfangreichste Rolle des Erzählers,...