Ächzende Kleinfamilien
Ungefähr fünfzehn dürfte der Knabe sein, der in Claudius Lünstedts «Zugluft» so seine Probleme mit den lieben Eltern hat. Er lebt in einer Familie, die als Beleg der These fungiert, dass sich in deutschen Haushalten seit einiger Zeit ein Erziehungsvakuum ausbreitet, in dem vor allem zunehmend autoritätsresistente und gewaltbereite Jungen heranwachsen. Der pubertierende Knabe, den Lünstedt ins Rennen schickt, hat keinen Namen. Er könnte durchaus aber wie der Junge heißen, der vor einem Jahr in Dresden die Abwesenheit des Vaters beklagte.
Da kam «Vaterlos» zur Uraufführung, und alles drehte sich um Felix, dessen allein erziehende Mutter den Namen des Erzeugers nicht preisgab und der sich zur Minderung des Leidensdruckes Phaeton nannte. Gutgehen konnte das nicht. Also suchte der unglückliche Felix den abwesenden Sonnenvater und tötete wahllos. «Vaterlos» war Lünstedts drittes Stück und pflegte einen verknappten Sprachduktus. Ganz wie in «Zugluft», das in Kaiserslautern zur Uraufführung gekommen ist.
«Ich und Kolja. Wir finden den», sagt der Sohn einer Familie, in der sich das Autoritätsproblem geballt stellt. Der Vater erwidert: «Keine Dummheiten. Ich bin dein Vater». Der Junge ...
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