Trigger dich selbst!
Trigger-Warnungen und Diskussionen um deren Berechtigung und deren Wortlaut begegnen mir zurzeit regelmäßig in meiner dramaturgischen Arbeit am Theater, aber auch im Unterricht mit Studierenden der darstellenden Künste. Die auf Saaltüren, Abendzetteln und Homepages festgehaltenen Ankündigungen potenziell verletzenden Zeichengebrauchs interessieren mich als Theaterwissenschaftlerin, die zum therapeutischen Diskurs im Gegenwartstheater forscht, genauso wie als Dramaturgin und Lehrende, die darum bemüht ist, Hierarchien zu bearbeiten.
Trigger-Warnungen erregen nämlich die Gemüter und werden im wütenden Kulturkampf furchtbar gern von rechts außen angeprangert: Eine Zensur stellten sie dar, bedrohten die Autonomie der Kunst, und sowieso dürfe man inzwischen ja selbst im Theater gar nichts mehr sagen. Dabei wird deutlich, dass diesen Kritikern die tatsächliche Dynamik der Trigger-Warnungen entgeht: Denn bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass sie ihnen oft in die Hände spielen, indem sie jene Machtverhältnisse, die sie zu verkehren suchen, ungebrochen fortschreiben, nicht selten gar verschärfen.
Ein kurzer Exkurs: Der englische Begriff «Trigger» bedeutet «Auslöser» und bezieht sich in ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Joy Kristin Kalu
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