Am Beispiel der Mutter
Die sogenannte «Vorklinik» im Grazer Univiertel ist ein Geisterhaus. Das Gebäude aus dem Jahr 1976, das Teil der medizinischen Fakultät war, wird demnächst abgerissen. Zuvor aber kam noch einmal Leben in die verlassenen Räumlichkeiten: Im Rahmen des Dramatiker:innenfestivals, das vom Grazer Schauspielhaus und dem Verein Drama Forum alljährlich veranstaltet wird, fand hier Ende Juni das «Haus der Texte» statt.
Im Verlauf der insgesamt drei Stunden langen «Drama Walks» (Gesamtleitung Sandra Schüddekopf ) wurden in einem großen Hörsaal und in kleinen Nischen, in der Mensa und am Gang, live oder per VR-Brille Szenen aus den zehn Stücken gespielt, die für den diesjährigen Retzhofer Dramapreis nominiert sind.
Das Stationentheater in der Vorklinik war aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn der seit 20 Jahren vergebene Retzhofer Dramapreis hat mehr Tiefgang als vergleichbare Veranstaltungen. Die von Edith Draxl erfundene Kombination aus Stückewerkstatt und Autor:innenpreis ist auf ihre Art einzigartig. Zunächst einmal sind keine fertigen Stücke ausgeschrieben, sondern Exposés und zwei ausgeschriebene Szenen; aus den Einreichungen werden zwölf nominiert. (Diesmal gab es 123 Einreichungen, ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Wolfgang Kralicek
Vili Viorel Paun verfolgt den Täter in seinem Auto durch Hanau. Am Kanaltorplatz zwingt er ihn durch clevere Bedrängungs- und Blockade-Manöver vorzeitig zur Flucht und rettet auf diese Art wahrscheinlich mehrere Menschenleben. Während seiner weiteren Täterverfolgung ruft Vili Viorel Paun immer wieder die 110 an. Aber niemand hebt ab. Wie sich später herausstellen...
Margit Carstensen war die Petra von Kant, im Film und auf der Bühne; sie prägte diese wie viele Fassbindersche Frauenfiguren. Dem Regisseur sei nachgesagt worden, sagt Carstensen 1992 in einem Interview, so negative Frauenbilder gezeichnet zu haben. «Dabei war ich das. Ich hab’ sie negativ gezeigt.» Schließlich seien hinter dem, was man nach außen sehe, oft doch...
Am besten hat die Exilerfahrung wohl die aus Uganda geflohene Aktivistin und Lyrikerin Stella Nyanzi auf den Punkt gebracht, in einem ihrer mitreißenden, in Deutschland entstandenen Gedichte: «Exil, das ist ein Ort zum Atmen: ah und uh.» Ein leicht befreiendes Ah und ein leicht schmerzliches Uh. Gemischtes Gefühl also. Im Exil verliebt sich ihre Tochter in...
