Trieb im Betrieb

Franz Xaver Kroetz «Der Drang»

Theater heute - Logo

Otto will Sex, und Hilde will keinen. Und wenn so eine ganz alltägliche Verweigerung auch noch von einer ganzen Spiegelwand im Mansardenschlafzimmer reflektiert wird, sollte das für einen testosterongeplagten Möch­tegerncowboy wie Otto umso peinlicher sein. Ist es aber natürlich nicht. Otto (Thomas Huber) kann sich zum Beispiel seelenruhig im Badezim­mer über Pornohefte gebeugt einen runter­holen, während er laut mit Hilde (Silvia-Maria Jung) ihre Rezeptvorschläge für den nächsten Tag diskutiert.


Im Stockwerk darunter räkelt sich währenddessen Nacht für Nacht die Gärtnereifachkraft Mitzi (Sarah Vikto­ria Frick) im Bikini unter der Wärmelampe der Klimaanlage. Und zwar auf einem Erdhügel, der in einer Reihe mit andern Erdhügeln liegt und entweder ein frisch geharktes Gartenbeet oder frisches Grab sein kann. Dahinter steht ein langer Tisch mit vielen Nähmaschinen, und mit denen nähen Mitzi und Hilde von der Friedhofsgärtnerei Holdenrieder normalerweise Kranzbänder auf Bestellung, ganz nach dem schönen Motto «Wenn ein Kunde einen Geschmack hat, dann soll er ihn auch kriegen».
Kurz: Wir haben es auf der kleinen Berner Dachgeschossbühne im Kornhaus mit einem sehr anschaulichen und nur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2005
Rubrik: Chronik, Seite 37
von Simone Meier

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zankapfel Gütezeichen

In Meiningen rollen Köpfe. Zwar derzeit nur auf der Bühne, aber es ist kein Geheimnis, dass manche Besucher im Parkett – wenn sie überhaupt noch kommen – auch gerne in der Intendanz so aufräumen würden, wie es Jarg Pataki in seiner Inszenierung von Büchners «Dantons Tod» radikal und unerbittlich vorführt: Kein Haupt bleibt da mehr auf dem Leib, die Macht wird neu...

Und mir grausts

I

mensch bin ich keiner oder höchstens im üblichen sinn – der satz korrespondiert mit marthas erkenntnis, daß ihr mann ein dres­sier­ter aff sei, also nicht mal ein mensch im üblichen sinn.
die geschichte vom NEST hab ich schon mal mit 15 oder 16 jahren geschrieben; allerdings pubertär schwülstig, obwohl der hintergrund deutlich war: die in die nachkriegszeit...

Der vergoldete Herrscher

Diesen Menschen scheint nichts Tierisches fremd. Ihr gekacheltes Zuhause ist eine ungemütliche Kreuzung aus Affengehege, Aquarium und Abenteuer-Spielplatz. Zwischen Klavier und Schreibtisch verführen Kletterbäume zum Hüpfen und Balancieren. Wer fällt, der fällt weich – in den Sandkasten. Ein dienlicher Dämpfer, denn harte Abstürze hat Marius von Mayenburgs...