Die Fünf-Sterne-Folter
Warum ist Sarah Kanes Werk auf dem Kontinent so populär?», wunderte sich kürzlich der Theaterkritiker Michael Billington im britischen «Guardian». Frisch zurückgekehrt von einem Sarah-Kane-Symposium an «Berlins leading theatre, the Schaubühne», berichtete der erstaunte Engländer von einem wahren Feuerwerk der Wertschätzung, das der Autorin am Lehniner Platz zuteil wird. Dort hat gerade Hausherr Thomas Ostermeier Kanes Erstling «Zerbombt» (Blasted», 1994) auf die Bühne gebracht und damit ihr fünfteiliges Gesamtwerk im Repertoire komplettiert.
Was im pragmatischen Großbritannien nicht nur strukturell undenkbar wäre, hängt für Billington mit einer spezifisch kontinental-europäischen Deutung ihrer Stücke zusammen. Sie geht, stellt der Kritiker nach diversen Panels und Podien fest, «auf den Glauben zurück, dass Kane weit mehr als ihre Zeitgenossen ein prophetisches Gespür für unsere moderne, vom Terror gejagte Welt besaß».
Immerhin: Um Terror und Gewalt geht es bei Sarah Kane ja tatsächlich in allen möglichen Variationen. In «Gesäubert» («Cleansed») amputiert der postmodern beschlagene Mengele-Verschnitt Tinker die jugendlichen Körper seiner menschlichen Versuchskaninchen auf äußerst ...
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