Fuck the system

Tom Peuckert «Luhmann»

Theater heute - Logo

Der Gerd sitzt am linken hinteren Rand der kleinen Bühne. Er kennt das soziale System «Luhmann-Seminar»: «Vorne hocken die Jünger mit Koks im Blick. Hinten quälen sich die Pflichtscheine. In der Mitte ganz allein der Gerd. Kampfstellung. Eine ungeheure Wut im Bauch. Grimmig wacht die Linke. In Bielefeld. Ausgerechnet Bielefeld.»
Zwischen dem Gerd (Stefan Hufschmidt) und dem Publikum: zwei Clowns (Nicole Paul und Oliver Baierl) und ein «Beobachter» (Harald Gieche).

Luhmanns Systemtheorie sollen diese drei Figuren laut Regieanweisung verkörpern – mal als soziales, mal als psychisches System. Sie reden selten miteinander, meist sprechen sie über sich – egozentrisches Geplapper über das eigene Reißbrett-Schicksal, das niemanden interessiert: Ein Mann ver­liert erst seine Frau an ihren Tangolehrer, dann sein Geld an der Börse und zuletzt sein Leben durch den Krebs – heilige Klimax! Gegen Ende weist Autor Tom Peuckert in seiner Auftragsarbeit «Luhmann» für die Autorenbühne des Bielefelder Theaters gar die Regie an, eine Luhmann-Puppe von den Clowns zersägen und verspeisen zu lassen – Symbolismus für Einfaltspinsel!
Regisseur Patrick Schimanski hat die Eingangs- und die Schlussszene  ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2005
Rubrik: Chronik, Seite 38
von Kai Bremer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Darum geht’s. Mir zumindest.

Vor ein paar Wochen lag am Bühneneingang der Brief einer Zuschauerin, deren begeistertes Lob für die Vorstellung von «Virginia Woolf» in dem Satz gipfelte: «Wie schön, endlich mal wieder ein Abend nur mit wunderbaren Schauspielern ganz ohne Regie!» – Hierbei handelt es sich ganz offensichtlich um den Fall des unterschätzten Regisseurs. Das ist ja heutzutage eher...

Spandau Ballett

Er ist wieder da» – das war nicht nur ein Schlager von «Marion», sondern auch der Werbespruch für Walter Moers’ Comic-Satire «Adolf, die Nazisau». Unter dem Satz war eine Moers-Zeichnung des gealterten Hitler zu sehen, der in einer Sprechblase erklärte «Öch bin wieder da». Die lustige Groteske, in de­ren Verlauf Hitler Michael Jackson und Prince kennen lernt, Sex...

Und mir grausts

I

mensch bin ich keiner oder höchstens im üblichen sinn – der satz korrespondiert mit marthas erkenntnis, daß ihr mann ein dres­sier­ter aff sei, also nicht mal ein mensch im üblichen sinn.
die geschichte vom NEST hab ich schon mal mit 15 oder 16 jahren geschrieben; allerdings pubertär schwülstig, obwohl der hintergrund deutlich war: die in die nachkriegszeit...