Fuck the system
Der Gerd sitzt am linken hinteren Rand der kleinen Bühne. Er kennt das soziale System «Luhmann-Seminar»: «Vorne hocken die Jünger mit Koks im Blick. Hinten quälen sich die Pflichtscheine. In der Mitte ganz allein der Gerd. Kampfstellung. Eine ungeheure Wut im Bauch. Grimmig wacht die Linke. In Bielefeld. Ausgerechnet Bielefeld.»
Zwischen dem Gerd (Stefan Hufschmidt) und dem Publikum: zwei Clowns (Nicole Paul und Oliver Baierl) und ein «Beobachter» (Harald Gieche).
Luhmanns Systemtheorie sollen diese drei Figuren laut Regieanweisung verkörpern – mal als soziales, mal als psychisches System. Sie reden selten miteinander, meist sprechen sie über sich – egozentrisches Geplapper über das eigene Reißbrett-Schicksal, das niemanden interessiert: Ein Mann verliert erst seine Frau an ihren Tangolehrer, dann sein Geld an der Börse und zuletzt sein Leben durch den Krebs – heilige Klimax! Gegen Ende weist Autor Tom Peuckert in seiner Auftragsarbeit «Luhmann» für die Autorenbühne des Bielefelder Theaters gar die Regie an, eine Luhmann-Puppe von den Clowns zersägen und verspeisen zu lassen – Symbolismus für Einfaltspinsel!
Regisseur Patrick Schimanski hat die Eingangs- und die Schlussszene ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Einverständiges Raunen geht durch den Silbersee im Parkett der Repertoirevorstellung an einem Dienstagabend, wenn Lissie von der früheren Lachlust der alten Freunde erzählt: «Wahrscheinlich können wir uns heute wegen erhöhten Blutdrucks ein solch gewaltiges Gelächter gar nicht mehr leisten.»
Diese Lissie spielt Jutta Lampe, ihre Lebensfreundfeindin Insa wird von...
In Meiningen rollen Köpfe. Zwar derzeit nur auf der Bühne, aber es ist kein Geheimnis, dass manche Besucher im Parkett – wenn sie überhaupt noch kommen – auch gerne in der Intendanz so aufräumen würden, wie es Jarg Pataki in seiner Inszenierung von Büchners «Dantons Tod» radikal und unerbittlich vorführt: Kein Haupt bleibt da mehr auf dem Leib, die Macht wird neu...
Warum ist Sarah Kanes Werk auf dem Kontinent so populär?», wunderte sich kürzlich der Theaterkritiker Michael Billington im britischen «Guardian». Frisch zurückgekehrt von einem Sarah-Kane-Symposium an «Berlins leading theatre, the Schaubühne», berichtete der erstaunte Engländer von einem wahren Feuerwerk der Wertschätzung, das der Autorin am Lehniner Platz zuteil...
