Rekonstruktion eines Mordes

Katharina Schlender «Wermut»

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Man könnte meinen, Katharina Schlender sei im Vorfeld ihres Stückes als Ermittlerin unterwegs gewesen und habe die Spuren eines tatsächlichen Mordfalles sichern wollen. Das Ganze ereignete sich 1999. Der Tote lag am Fuße der Göltschtalbrücke im Vogtland, und die Ermittlungsbehörden gingen zuerst einmal von Selbstmord aus. Sehr schnell wurde allerdings klar, dass man den Toten förmlich hingerichtet hatte und die Tat wohl im erweiterten Familienkreis geschehen sein musste. Ins Visier gerieten die Frau des Opfers, die Stieftochter und deren Freunde.

Ausgangspunkt der Tat soll der Vorwurf der Stieftochter gewesen sein, der Stiefvater habe sie missbraucht. Genau das allerdings stellte sich als fragwürdig heraus, und so geht es in «Wermut» auch nicht um eine Missbrauchsgeschichte, sondern um die Rekonstruktion eines Mordes und die Mechanismen der allmählichen Verfertigung kollektiver Vorurteile: Wie in geschlossenen Gruppen Verdächtigungen in die Welt gesetzt und aufgegriffen werden. Wie das, was einer gesagt oder getan haben soll, plötzlich nicht mehr nur als Erzählung im Raum steht, sondern zur scheinbar unverrückbaren Tatsache wird.  

Im Stück heißt die Stieftochter Pegg. Sie ist ...

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Theater heute Juni 2005
Rubrik: Chronik, Seite 43
von Jürgen Berger

Vergriffen
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