Toxisch und traumatisiert
Nicht einen, gleich eine ganze Ladung Totenköpfe karrt der Schauspieler Odin Lund Biron auf die Bühne für «Hamlet/Fantômes» von Kirill Serebrennikov im Pariser Châtelet-Theater. Dem Schauspieler Bertrand de Roffignac läuft derweil das ganze Gift und das Blut aus dem Mund, das in Shakespeares Tragödie vergossen wird. Beide sind Hamlet – «how many Hamlets have there been?», fragt Biron programmatisch. Zehn Hamlets holt Serebrennikov für seine Geisterbeschwörung auf die Bühne, zehn Hamlet-Aspekte, zehn Zugänge zum Stoff.
Zehn Möglichkeiten, sich der Figur zu bemächtigen und sie fortzudenken. Sie sind so unterschiedlich wie das internationale Ensemble aus Schauspiel, Tanz, Musik, Videokunst, gesprochen wird Französisch, Deutsch, Englisch, Russisch. Hamlet ist im deutschen wie im französischen und russischen Theater gleichermaßen eingebürgert und kanonisch wie seit je im englischen.
Hier hausen seine Fragmente in einem aufgelassenen Palast mit aufgerissener Decke und mächtigem Spiegel (in Serebrennikovs und Olga Pavliuks Szenografie). Hamlet und das Theater, Hamlet und der Vater, Hamlet und die Liebe, Hamlet und die Angst, die Gewalt, der Tod – Serebrennikov fächert Hamlet auf und mit ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: International, Seite 36
von Andreas Klaeui
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