Im Wandel des Leids
Gebannt fixiert der schmächtige, in sich gekehrt wirkende Junge das kesse, wendige Mädchen, das ihm provozierende Fragen stellt. Gerade zehn Jahre alt sind Jules und Alva, als sie im Internat aufeinandertreffen – am Schauspiel Bochum ein sich ins Dunkel verlierender, unwirtlicher Raum. Einige Augenblicke später sind sie bereits 16 Jahre und verabreden sich, gemeinsam Kinder zu bekommen, falls sie mit dreißig noch keine haben. Tatsächlich werden Jules und Alva miteinander Kinder haben und ein kurzes Glück erleben, doch ihr Weg dorthin ist weit und verschlungen.
Regisseur Guy Clemens überführt am Schauspielhaus Bochum Benedict Wells’ von Liebe, Tod, Krankheit und Verlust erzählenden Romanbestseller «Vom Ende der Einsamkeit» in eine erstaunlich konkrete, fesselnde szenische Lesart. Lediglich das anfängliche Verwirrspiel, in dem die drei Geschwister zugleich sich selbst und die Eltern spielen, wäre verzichtbar gewesen.
Während Jules im Roman rückblickend von seiner Liebe zu Alva und dem Leben seiner Geschwister nach dem frühen Unfalltod der Eltern erzählt, wird die Handlung hier in dichten, schlagfertigen Dialogen lebendig. In nahtlosen Zeitsprüngen wird dabei eine beachtliche Spanne ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Natalie Bloch
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Weltuntergang gefällig? Oder wenigstens ein kleiner Zivilisationsbruch? So ein großes Feuer lässt sich kostengünstig herstellen und sieht eindrucksvoll aus – in echt wie auf der Bühne. Evi Bauer hat im Staatsschauspiel Hannover mit ein paar Dutzend wohlplatzierten Styroporblöcken, einem aufgestapeltem Fassadentorso und viel schwarzem Konfettiregen ein Ambiente...
In den Zwanzigern scheint einem das Leben offen zu stehen. Gelegentlich stößt man aber auch auf verschlossene Türen. Dann heißt es: anklopfen, umdrehen oder radikal einrennen. Und plötzlich ist man mittendrin. Zwanzig Jahre alt und immer noch radikal jung, wird in diesem Jahr das Theaterfestival für junge Regieführende am Münchner Volkstheater, das Intendant...
