Wurzelgemüse der Vergangenheit
Am Ende bleibt die Erde als letzter, als einziger zuverlässiger Bote, der berichten kann, von dem, was geschah. Oder eben auch nicht geschah – im Schloss Rechnitz, Österreich, im April 1945. Elfriede Jelineks verschränkt in ihrem «Rechnitz (Der Würgeengel)» die Frage, was im Schloss der Gräfin Batthány in der Nacht zum 25. April 1945 mit den 180 jüdischen Zwangsarbeitern geschah mit dem literarisch-theatralen Modus des Botenberichts. Der Text durchwatet gekonnt die Untiefen der Erinnerung und des Nicht-Erinnern-Wollens irgendwo zwischen Wahrheit, Gerücht und Wahrscheinlichkeit.
In Weimar übernehmen das Waten fünf Ensemblemitglieder, und Regisseurin Simone Blattner dreht zusammen mit der Bühnenbildnerin Martin Mitok kurzerhand Bühne und Zuschauerraum. Alle blicken ins Parkett und die zwei Ränge, bedeckt mit Erde und zwei Spruchbändern in Frakturschrift, die von «Fresse» und «Freiheit» künden. Das dürfte auch Sprachzauberin Jelinek gefallen.
Adrett eingepackt in weißen Smokings tänzeln die fünf Bot:innen durch den Text, der vor allem eine wortreiche Verantwortungsabwälzungsmaschine ist. Dreckig machen sie sich nicht, brav bleiben sie meist auf ihrer Plattform und üben sich in ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Torben Ibs
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