Theaterfilm: Der alles entscheidende Biss
«Jedes Zeitalter hat den Vampir, den es braucht», fasste die Kulturwissenschaftlerin Nina Auerbach einmal ihre umfangreiche, Jahrhunderte übergreifende Analyse der nachtaktiven Mythengestalt zusammen. Um die legendären infektiösen Untoten, die ihrem Sarg entsteigen, um das Blut der Lebenden zu saugen und sie in Vampire zu verwandeln, dreht sich – zumindest im Kern – auch die große (und mit gut zwei Stunden Länge nicht eben Kurzfilmtage-taugliche) filmische Unternehmung der Gruppe FUX.
Bereits im Sommer 2019 hatte die Doppelpass-finanzierte Projektarbeit der Theatermacher:innen um Falk Rößler und Nele Stuhler am Theater Oberhausen mit einer breit angelegten Feldforschung in Sachen Stückfindung begonnen. Auf die Frage «Was wollen Sie auf der Bühne des Theaters sehen?» antworteten Passant:innen in der Fußgängerzone wahlweise mit Gegenfragen («Hier gibt’s ein Theater?»), übten sachkundige Kritik («keine Nackten») oder brachten alternative Nutzungskonzepte ein («Ich bin mehr so’n Film-Fan. Vielleicht was in die Richtung?»).
Nach über tausend frei formulierten Vorschlägen, zwei sogenannten Stadtversammlungen samt Diskussionen und Abstimmungen über Thema, Genre, Titel und Stück (hier ...
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Theater heute April 2021
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Anja Quickert
Knetfiguren und Computeranimationen, Geisterblaskapellen auf Hauswänden, Zeichentrick und Papierfiguren und überhaupt Puppen, Puppen, Puppen …: Das diesjährige Brechtfestival #digitalbrecht hat aus der Not viele Künste und aus dem Mangel an Begegnungsmöglichkeiten eine Fülle von filmischen Formaten gemacht. Als sich im letzten November abzeichnete, dass mit der...
Tag 1
Ein winziges Schlafzimmer. Ein Bett, darauf zwei Laptops. C kommt im Pyjama ins Zimmer. Er schaltet die beiden Computer ein. Er wählt eine Nummer auf seinem Handy, das über ein Kabel an einen der Laptops angeschlossen und auf Lautsprecherfunktion gestellt ist, sodass man die Stimme der Angerufenen hört. C kaut an einer Banane. Es läutet. Eine Stimme meldet...
In Bochum gibt es das Bermuda-Dreieck. Das ist eine ballermannähnliche Kneipenmeile zwischen Bahnhof und Schauspielhaus – jetzt in Corona-Zeiten eher desolat und leer. Ein paar hundert Meter weiter hat man eher das gegenteilige Problem, nämlich zu viel: Inszenierungen, die wie ein hartnäckiger Ballast in den Köpfen aller Beteiligten herumschwirren, die nicht...
