In der Hand liegend

Fürs Nationaltheater Mannheim performt Vassilissa Reznikoff Arthur Schnitzlers «Fräulein Else». Auf Instagram!

Theater heute - Logo

Instagram ist umstritten. Als Datenkrake, Teil des weltumspannenden Facebook-Konzerns, vor allem aber als bildbasiertes soziales Netzwerk, das zu einem narzisstischen Selfie-Verhalten verführen und so ein normiertes Körperbild zementieren würde. Bei einem ersten Streifzug durch die Plattform scheint sich das zu bestätigen: Man findet unzählige Fotos von sehr dünnen, sehr jungen, sehr glatthäutigen Frauen.

Man findet aber auch Selbstinszenierungen, die nicht in solch ein normschönes Muster passen, man findet Protagonist*innen, die ihre Eigenwilligkeit gerade in der bildlichen Darstellung ausleben, und das ist als Ermächtigungsstrategie zumindest nicht unsympathisch. 

Vassilissa Reznikoff ist solch eine Instagram-Figur (deren ausgestellte Kratzbürstigkeit freilich auch schon wieder Züge einer Selbstmarketing-Strategie annimmt), jugendlich verspielt, ein bisschen zu alt fürs Teeniegetue, verpeilt, reflektiert, kritisch, durchzogen von einer allumarmenden Herzlichkeit bei gleichzeitiger größtmöglicher Distanz. Sprich: eine mitteljunge Frau, die gelernt hat, dass der größte Reiz des medial ausschlachtbaren Lebens darin besteht, mit Widersprüchlichem zu jonglieren. Und damit eine Frau, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 53
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Die Grenzen der Phantasmen

Reading and writing allows the possibility of having a very different world.
Angela Davis im Gespräch mit Toni Morrison über das Verbot bestimmter Bücher in Gefängnissen, etwa jener von Toni Morrison

1 Phantasmen der Anderen

Es ist erfreulich zu sehen, wie viele Namen, die nicht autochton deutsch oder weiß scheinen, Einzug in die deutschsprachige Literaturwelt...

Theaterfilm: Der alles entscheidende Biss

«Jedes Zeitalter hat den Vampir, den es braucht», fasste die Kulturwissenschaftlerin Nina Auerbach einmal ihre umfangreiche, Jahrhunderte übergreifende Analyse der nachtaktiven Mythengestalt zusammen. Um die legendären infektiösen Untoten, die ihrem Sarg entsteigen, um das Blut der Lebenden zu saugen und sie in Vampire zu verwandeln, dreht sich – zumindest im Kern...

Im politischen Raum

Theater heute Gratulation zur Wahl des Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins! Das ist eine sehr spannende Position, weil Sie damit auch institutionell zwischen den Stühlen sitzen. Denn der Bühnenverein ist einerseits die Versammlung der Rechtsträger der Bühnen, also der Länder und Kommunen, die die öffentlichen Theater tragen und zum Großteil auch finanzieren....