In der Hand liegend
Instagram ist umstritten. Als Datenkrake, Teil des weltumspannenden Facebook-Konzerns, vor allem aber als bildbasiertes soziales Netzwerk, das zu einem narzisstischen Selfie-Verhalten verführen und so ein normiertes Körperbild zementieren würde. Bei einem ersten Streifzug durch die Plattform scheint sich das zu bestätigen: Man findet unzählige Fotos von sehr dünnen, sehr jungen, sehr glatthäutigen Frauen.
Man findet aber auch Selbstinszenierungen, die nicht in solch ein normschönes Muster passen, man findet Protagonist*innen, die ihre Eigenwilligkeit gerade in der bildlichen Darstellung ausleben, und das ist als Ermächtigungsstrategie zumindest nicht unsympathisch.
Vassilissa Reznikoff ist solch eine Instagram-Figur (deren ausgestellte Kratzbürstigkeit freilich auch schon wieder Züge einer Selbstmarketing-Strategie annimmt), jugendlich verspielt, ein bisschen zu alt fürs Teeniegetue, verpeilt, reflektiert, kritisch, durchzogen von einer allumarmenden Herzlichkeit bei gleichzeitiger größtmöglicher Distanz. Sprich: eine mitteljunge Frau, die gelernt hat, dass der größte Reiz des medial ausschlachtbaren Lebens darin besteht, mit Widersprüchlichem zu jonglieren. Und damit eine Frau, ...
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Theater heute April 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 53
von Falk Schreiber
Noch länger Lockdown und kein Ende! Es heißt also weiter nach Umund Auswegen zu suchen und der zwangsläufig medialen Vermittlung ein möglichst unverwechselbares – vielleicht sogar auf neue Weise unmittelbares? – Theatererlebnis abzutrotzen. Die Kammerspiele und das Kollektiv RAUM + ZEIT um Regisseur Bernhard Mikeska und Autor Lothar Kittstein, sonst ausgewiesene...
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