Das Leben der anderen
Vor 15 Monaten ist die Welt untergegangen. Was genau passiert ist, wissen wir nicht. Jedenfalls sind damals sämtliche Kontinentalplatten miteinander kollidiert, wodurch fast alles Leben auf der Erde ausgelöscht wurde. Nur Teile der eurasischen Platte blieben erhalten; hier gab es auch Überlebende, darunter eine Gruppe von Anthropologen, die zum Zeitpunkt der Katastrophe in Moskau an einem Kongress teilnahmen.
Inzwischen haben sie sich bis ins sibirische Krasnojarsk durchgeschlagen, wo sie eine halbwegs intakte Infrastruktur vorgefunden und sich niedergelassen haben, um am Projekt «Neustaat» zu arbeiten. Ein Teil der letzten Menschen widmet sich vor Ort der ehrenvollen Aufgabe, «für die Reproduktion zu sorgen»; andere schwärmen in alle Himmelsrichtungen aus, um die Situation zu erkunden und womöglich weitere Überlebende zu finden.
Einer dieser Kundschafter ist der Protagonist von Johan Hastads postapokalyptischem Kammerspiel «Krasnojarsk». Der namenlose Held ist schon seit vielen Monaten unterwegs, ohne irgendetwas Bemerkenswertes entdeckt zu haben – bis er auf einmal einer Frau begegnet, die er «Kreuzberg» nennt, weil sie eine Zeitlang in Berlin gelebt hat. Kreuzberg ist im ...
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Theater heute April 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 52
von Wolfgang Kralicek
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