Theaterbuch:Die erste Pause

Als Nachdenken noch das Gebot der Stunde schien – Impulse Theater Festival: «Lernen aus dem Lockdown? Nachdenken über Freies Theater»

Ertappt. Nach über 200 Seiten, die sich angenehm lesen, weil die Autor*innen so oft recht haben, so menschenfreundlich sind und so reflektiert, platziert der Dramatiker Jörg Albrecht einen kleinen fiesen Treffer direkt in die Magengrube. Genauer: dorthin, wo das schlechte Gewissen wohnt.

In seinem Beitrag, der den Band «Lernen aus dem Lockdown? Nachdenken über Freies Theater» abschließt, heißt es unvermittelt: «Und hatten wir nicht / heimlich, still, leise und am tiefsten Grund / unserer kleinen neoliberalen Herzen, DARAUF gewartet (…) Hatten wir nicht auf einen Breakdown gewartet, ihn herbeigesehnt», und weiter: «Wir sehnten uns nach dem was dann auch kam, nach Abstand.» 

Albrecht benennt diesen Moment des guilty pleasure, den fast jeder*r im Frühjahr 2020 erlebt haben muss. Und er zwingt die Leser*innen an diesen Punkt zurück, als kurzzeitig ein Ende im Raum stand, ein Ende des Funktionierens, des Kontakteknüpfens, des Aufgeschlossenseins, des Sichtotarbeitens. Albrecht entwickelt von dort aus eine traumwandlerische Antiheldenreise, vom süßen Nichtstun über «Fördermittelerde» hin zur Frage, warum Kunst immer nur im Traum Perfektion erreicht, und zurück zu einem zarten Lob der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2021
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Cornelia Fiedler

Weitere Beiträge
Im politischen Raum

Theater heute Gratulation zur Wahl des Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins! Das ist eine sehr spannende Position, weil Sie damit auch institutionell zwischen den Stühlen sitzen. Denn der Bühnenverein ist einerseits die Versammlung der Rechtsträger der Bühnen, also der Länder und Kommunen, die die öffentlichen Theater tragen und zum Großteil auch finanzieren....

Nachruf: Die zarte Unverwüstliche

«Unvorstellbar, dass sie sterblich sein könnte.» Diese Worte ruft Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters Berlin, Katharina Matz hinterher, die 90-jährig in Berlin gestorben ist. In der ARD-Mediathek ist sie noch zu sehen, in «Der letzte Wille», einer sechsteiligen Miniserien-Comedy im Altersheim, das entmietet werden soll. Katharina Matz ist die...

«Goodwill reicht nicht mehr»

Barbara Burckhardt Niels Bormann, die Frage, die jetzt jeder stellt: Wie geht es Ihnen unter Corona-Verschluss, insbesondere als Schauspieler? 
Niels Bormann (zögert lange) Ich muss sagen, mir geht es gar nicht so schlecht. Ich konnte in dieser Zeit drehen und an der UdK mit den Studierenden immerhin Vorsprechmonologe erarbeiten. Das mache ich schon seit sieben,...