Theater Now?
In gesellschaftlichen Diskursen wird derzeit wiederholt die Figur der Flut bemüht, um das Bild des Eindringens «fremder» oder neuer Menschen und Ideen in eine bestehende Ordnung zu zeichnen. Je nach politischer Fasson wird dieses Eindringen als Bedrohung einer heilen Welt oder als Chance einer Erneuerung begriffen. Auch die Frage nach «neuen» Narrativen, Praktiken und Werten für ein kommendes Theater bleibt in dieser Dichotomie.
Ich forsche seit ca.
2015 als Ethnograph im «Feld» Freie Szene und Stadttheater in Deutschland zu der Institutionalisierung anti-rassistischer Kritik und der Rolle schwarz rassialisierter Kulturarbeiter*innen. Im Folgenden möchte ich keine Programmatik formulieren, sondern stattdessen entlang der Ideen einiger Autor*innen wie Mark Terkessidis, Daniel Gyamerah, Joshua Kwesi Aikens, Hanna Voss und Azadeh Sharifi ein Problemfeld skizzieren, welches den Ausgangspunkt einer rassismuskritischen Analyse der Gegenwart im deutschen Theater bilden kann.
Stadtgesellschaften in Deutschland sind seit jeher durch Migration geprägt. Die Mobilität von Menschen kennt wortwörtlich keine Grenzen. Wenn nun also, vor dem Hintergrund des «Sommers der Migration» (2015) und ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (2), Seite 90
von Julian Warner
«Tartuffe», das fünfzehnte von dreiunddreißig überlieferten Dramen Molières, war jene Komödie, die unmittelbar nach ihrer Uraufführung 1664 mit dem Bann des Aufführungsverbots belegt wurde, die klerikale Kräfte veranlasste, den Dichter auf den Scheiterhaufen zu wünschen, und einen fünfjährigen erbitterten Kampf Molières um die Aufhebung des Verdikts durch den...
Trump, Brexit, Le Pen und Co. sei Dank – endlich sieht man ein bisschen klarer! Die heftigen Veränderungen in den westlichen Demokratien sind auf oder gerade noch kurz vor den Regierungsbänken angekommen und machen deutlich, was sich zum Teil seit Jahrzehnten anbahnt. Nicht zuletzt Elfriede Jelinek bündelt die Phänomene in ihrem Stück des Jahres wieder einmal...
Auf Tripadvisor hätte das Hotel Strindberg schlechte Karten. Die Zimmer sind zwar auf Vier-Sterne-Niveau ausgestattet, aber leider nur über ein Notstiegenhaus zu erreichen; der Aufzug ist nämlich schon seit Jahren defekt, und anscheinend denkt man gar nicht daran, ihn reparieren zu lassen. Auch, dass es sich im Prinzip um ein Nichtraucherhotel handelt, wird hier...
