Beobachtung dritter Ordnung
Der niederländische Theatermacher Eric de Vroedt ist auch in Deutschland längst kein Unbekannter mehr; in den letzten Spielzeiten hat er wiederholt am Schauspielhaus Bochum und am Theater Dortmund inszeniert. In seinem Heimatland, wo der 46-Jährige die Intendanz des Nationaltheaters in Den Haag als Nachfolger Theu Boermans übernommen hat, ist er nicht nur als Regisseur, sondern auch als Autor bekannt.
Sein zehnteiliger Stückzyklus «Mighty Society» entstand zwischen 2004 und 2012 und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem höchsten Kunst-Preis der Niederlande, dem «Amsterdamprijs». Nun hat de Vroedt im Herbst letzten Jahres ein neues Theaterstück vorgelegt, das in der kommenden Saison in Frankfurt und Mannheim erstmals auf Deutsch zu sehen sein wird: «The Nation».
Bereits der Titel hat es in sich: Ein Begriff, dessen nahende Aufhebung im postnationalen Globalisierungstaumel der 1990er bereits abgemachte Sache schien, der in jüngerer Zeit jedoch vor allem im autoritär-rechtskonservativen Spektrum (allerdings nicht nur dort) eine politische Renaissance erlebt. De Vroedt verwendet ihn nicht als Postulat, sondern als Markierung eines Problemfelds. Wenn die Nation das ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 187
von Alexander Leiffheidt
«Nous sommes embarqués dans la vie … Cela n’est pas volontaire, vous êtes embarqué … Nous sommes tous le produit de nos croyances.» (Blaise Pascal)
1 «Paladar Latino»
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