​​​​​​​Theater Erwachen

Von der Debüt-Regie zur Schauspieldirektorin: Anna Magdalena Fitzi und ihr «Frühlings Erwachen» am Landestheater Eisenach

Theater heute - Logo

Vom Jahrmarkt auf den Friedhof: Wo sich zu Stückbeginn im Landestheater Eisenach das jugendliche Ensemble noch im Büchsen -werfen übt und munter auf dem Karussell herumklettert, das Verena Hemmerlein als Szenenbild auf die Bühne gestellt hat, künden nach der Pause Grabsteine vom Tod von zwei der Protagonist:innen auf der Bühne. Von seiner Dramatik hat Frank Wedekinds «Frühlings Erwachen» offenbar nichts verloren, der einstige Skandal ist allerdings dem Sittenbild einer vergangenen Epoche gewichen, daran kann auch ein später das Bühnenbild ergänzender Fotomat nicht rütteln.

Die Nöte der Bühnenjugend sind greifbar, aber nicht die der Jugend von heute; so manches bleibt holzschnittartig. Darüber können auch musikalische Einschübe von Britney Spears «Hit me Baby, one more time» nicht hinwegtäuschen. Über dieses Songsnippet wird allerdings eine der stärksten Szenen des Abends generiert: Nele Swanton als Wandas Mutter singt es in melancholischverzweifelter Stimmung und bricht wohl -dosiert bei «Give me a sign» ab. Hier macht es niemand noch einmal, jedes erste Mal ist Tragödie genug.

Ein Zeichen setzt die Inszenierung trotzdem, denn Regisseurin Anna Magdalena Fitzi, bisher vor allem im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2026
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Torben Ibs

Weitere Beiträge
Harte Nuss

Meursault, der Held aus dem existenzia -listischen Romanklassiker «Der Fremde» (1942), ist ein Mann ohne Eigenschaften. Den Tod seiner Mutter nimmt der Franko-Algerier anscheinend ungerührt zur Kenntnis. Wenn Marie, seine Geliebte, ihn fragt, ob er sie heiraten will, sagt er nur: «Wir können es tun, wenn du es willst.» Und den Mord an einem «Araber», für den er in...

Versöhnung? Nein danke

Finde den Fehler: Vater tötet Tochter, Ehefrau tötet ihn, Sohn tötet sie und dann, bei 2:1, soll Schluss sein mit der Gewalt – im Namen der Demokratie. Hier, an der Frage Versöhnung versus Gerechtigkeit, setzt die Kölner «Orestie» der australischen Regis -seurin Adena Jacobs an. Zwar flankieren zwei Gerichtsbänke die schwarzgraue, fel -sige Bühne von Eugyeene Teh....

Wir sind alle Lucretia

Konzert, Theater, Castingrunde, Treffen einer Selbsthilfegruppe, semi-autobiografischer Abend – «Die Schändung der Lucretia: Ein Casting» in der Regie von Lola Arias im Schauspielhaus Basel ist all das. Im Kern versucht eine Gruppe Künstler:innen, ein Stück aufzuführen, Shakespeares Langgedicht «The Rape of Lucretia».

In einem Büro mit Kamera und Topfpflanze werden...