Harte Nuss
Meursault, der Held aus dem existenzia -listischen Romanklassiker «Der Fremde» (1942), ist ein Mann ohne Eigenschaften. Den Tod seiner Mutter nimmt der Franko-Algerier anscheinend ungerührt zur Kenntnis. Wenn Marie, seine Geliebte, ihn fragt, ob er sie heiraten will, sagt er nur: «Wir können es tun, wenn du es willst.» Und den Mord an einem «Araber», für den er in der zweiten Hälfte des Buchs vor Gericht steht, kann er weder erklären, noch scheint er die Tat groß zu bedauern.
Für eine szenische Adaption ist «Der Fremde» eine ziemlich harte Nuss.
Der in der Ich-Form erzählte Roman hat kaum Dialog und einen Protagonisten, der weitgehend emotionslos agiert. Das Problem war Fran-çois Ozons Neuverfilmung anzumerken, die unlängst im Kino lief, und ist auch in der Fassung, die Murat Dikenci – Leiter des Studios R am Gorki Theater – jetzt im Salzburger Landestheater auf die Bühne brachte, nicht zu übersehen. Maximilian Paier als Meursault ist zwar 100 Minuten lang durchgehend auf der Bühne, darf aber die längste Zeit nicht spielen, muss stattdessen möglichst ausdruckslos schauen und sprechen. Mit ihm stehen Matthias Hermann und Naomi Kneip auf der Bühne und übernehmen alle anderen Rollen.
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Theater heute Mai 2026
Rubrik: Chronik, Seite 67
von Wolfgang Kralicek
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