Teenage Dirtbags
Robert Musils knapper Roman «Die Wirrungen des Zöglings Törleß» von 1906, sein einziger literarischer Erfolg zu Lebzeiten, landet derzeit des Öfteren auf deutschen Bühnen. Offenbar ist die dargestellte geistig-seelische Entwicklung des sensiblen Schülers Törleß in einem Elite-Internat fern der Stadt nach wie vor interessant, wird Törleß dort doch mit den sadistischen Kameraden Reiting und Beineberg konfrontiert, die ihren diebischen Mitschüler Basini quälen und sexuell missbrauchen. Törleß überwindet seine Freundschaft zu den beiden.
Seine Ich-Findung geht über erotische und homoerotische Erlebnisse, ohne dass sie Ziel seiner Individuation wären. Den komplexen, sprachlich dichten Roman auf die Bühne zu bringen, ist kein Selbstläufer. Man muss sich vorher schon sehr genau überlegen, was man darin eigentlich lesen will: einen Coming-of-age-Roman? Die Prophezeiung des Faschismus? Einen Künstlerroman?
Der Regisseur Matthias Köhler, bekannt für seine queer*feministische Herangehensweise, hat sich das Werk jetzt am Staatsschauspiel Stuttgart gemeinsam mit Absolvent:innen der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart in ihrer Abschlussproduktion vorgenommen. Seine ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Verena Großkreutz
Erstaunliches ist der Volksbühne gelungen. Na ja, gelungen. In einem kollaborativen Kraftakt schafften es verdiente Kräfte des Hauses samt Überraschungsgästen, dem schon seit geraumer Zeit langsam, aber sicher ins Nervtötende lappenden künstlerischen Programm des Infantilisten Jonathan Meese ein nicht unerstaunliches Quantum neues Leben einzuhauchen. In gut zwei...
Die Komödien von Yasmina Reza sind allseits beliebt, es gibt allerdings nur relativ wenige davon. Also sicherte das Burgtheater sich die Bühnenrechte für den jüngsten Roman der französischen Boulevardvirtuosin. «Serge», 200 Seiten kurz, schildert eine krisenhafte Episode im Leben einer jüdischen Pariser Familie, deren Kern die drei Geschwister Serge, Jean und Nana...
«Hier hat sich Schuld in Schuld verbissen.» Hunnenkönig Etzel (Nahuel Häfliger) ist in seinem schicken Anzug gegen Ende schon beinahe nachsichtig mit seinen barbarischen Neu-Familienmitgliedern, die doch gerade erst seinen Sohn erdolcht haben. Dass Häfliger zugleich den Siegfried in diesen «Nibelungen» spielt, gibt dem Ganzen nur noch mehr Größe. Denn diese liegt...
