Teenage Dirtbags
Robert Musils knapper Roman «Die Wirrungen des Zöglings Törleß» von 1906, sein einziger literarischer Erfolg zu Lebzeiten, landet derzeit des Öfteren auf deutschen Bühnen. Offenbar ist die dargestellte geistig-seelische Entwicklung des sensiblen Schülers Törleß in einem Elite-Internat fern der Stadt nach wie vor interessant, wird Törleß dort doch mit den sadistischen Kameraden Reiting und Beineberg konfrontiert, die ihren diebischen Mitschüler Basini quälen und sexuell missbrauchen. Törleß überwindet seine Freundschaft zu den beiden.
Seine Ich-Findung geht über erotische und homoerotische Erlebnisse, ohne dass sie Ziel seiner Individuation wären. Den komplexen, sprachlich dichten Roman auf die Bühne zu bringen, ist kein Selbstläufer. Man muss sich vorher schon sehr genau überlegen, was man darin eigentlich lesen will: einen Coming-of-age-Roman? Die Prophezeiung des Faschismus? Einen Künstlerroman?
Der Regisseur Matthias Köhler, bekannt für seine queer*feministische Herangehensweise, hat sich das Werk jetzt am Staatsschauspiel Stuttgart gemeinsam mit Absolvent:innen der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart in ihrer Abschlussproduktion vorgenommen. Seine ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Verena Großkreutz
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
28. Ellis, How to Date a Feminist
R. Eva Brunner
AACHEN, THEATER
27. Bechtel und Zeppenfeld, Woher und Wohin (AT) (U)
R. Clemens Bechtel
29. Kehlmann, Tyll
R. Ewa Teilmans
ALTENBURG/GERA, THEATER
2. Kressin, Liebe macht frei
R. Manuel Kressin
ANNABERG-BUCHHOLZ, EDUARD-VON-WINTERSTEIN- THEATER
1. Coward und Chatten, Zwei Geister sind einer...
Auf den ersten Blick ist das Post-Brexit-London noch immer die pulsierende Weltmetropole, die es stets war. Ein Wunder an funktionstüchtigem, im Minutentakt anfahrenden öffentlichem Nahverkehr; die Verkehrswende, von der verstopfte deutsche Städte nur träumen können, längst geschafft. Die versmogte Stadt, in der sich nichts mehr bewegt, ist längst Vergangenheit....
Auf der Bühne stehen schwarze Stühle, auf die sich beim Einlass nach und nach Personen in schicker blaugrüner Abendkleidung setzen, elegant ihre Beine übereinanderschlagen, den Blick ins Publikum gerichtet. Doch über ihren Köpfen tragen sie weiße Stoffmasken, über ihren Körpern weiße Anzüge wie eine zweite Haut: Es ist eine anonyme, gespenstische Versammlung, die...
