Technisch fit
Jeder Mensch ist ein Ozean, jedenfalls solange man ihn nicht genauer kennt. Ein Satz, so tief wie der Atlantik – und auch der kann ziemlich seicht sein. Aber dazu später.
«Das Treffen» von Thomas Oberender und Sebastian Orlac (Regie Markus Dietz) ist ein vielfältig einsetzbares Multifunktions-Kunstwerk, und da darf nicht überraschen, wenn die Situation am leinwandbreiten Videoscreen in einer langsam abrollenden Gebrauchsanweisung erläutert werden muss: Man sitzt in Magdeburg und betrachtet auf dem Bildschirm das Publikum des Tennessee Repertory Theatre in Nashville, per Standleitung und Videokamera zugeschaltet. Den Texanern ergeht es genau andersrum. Unter den Zuschauern sitzen je fünf örtliche Schauspieler, die den Stücktext sprechen, während die jeweils transatlantisch entfernte Kamera sich Kopf um Kopf herauspickt, dem die Texte als innere Monologfetzen aufs stumme Gesicht gesprochen werden. Den Bildschirm-Amerikanern in Magdeburg deutsch, den Bildschirm-Magdeburgern in Nashville amerikanisch.
Die Idee hat Potenzial, denn sie kann das vermutete Gedachte einem Ansichts- und Praxistest unterziehen: Was man eben so für möglich hält im Kopf des jeweils anderen, der da gerade wie ...
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