Flaute am Meer
In der Not der Erfindung ist die Hoffnung das Archiv. Dort liegen die gesicherten Schätze der Vergangenheit für all jene griffbereit, die Angst haben, etwas falsch zu machen. Und das Archiv als solches ist heute so groß, tief und weltumspannend, dass der arme Künstler, der mit dem Mut den Einfall verloren hat, vielleicht sogar hoffen darf, fremde Ideen unbemerkt als seine eigenen zu verkaufen.
Im Zweifelsfall sind ja Kategorien wie «Zitat», «Vorlage», «Hommage» oder «Korrespondenz» schnell zur Hand, um plumpen Diebstahl von geistigem Eigentum mit kunsthistorischen Rechtfertigungen zu bemänteln.
Aber es gibt doch Grenzen dieses Zugriffs. Zum Beispiel, wenn man einen viel beschworenen Epochenwechsel in einem berühmten Theater mit einem Bühnenbild beginnt, das über zwei Millionen Menschen live und Millionen andere als Reproduktion bereits von seinem eigentlichen Erfinder kennen. So gesehen am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, wo der neue Intendant Friedrich Schirmer mit der inneren Verpflichtung, sich von seinem Vorgänger Tom Stromberg sowie seinem Nachbarn Ulrich Khuon im Thalia Theater abzugrenzen, eine völlig neue Kunst-Mischung wagen will.
Doch dann stellt Etienne Pluss für die ...
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Barbara Burckhardt Der Held ihres Theaterstücks «Orpheus, Illegal», Stanislaw Perfetzki, ein reisender Dichter und politischer Aktivist, scheint nicht nur Ihr Alter Ego zu sein, er ist auch identisch mit dem Protagonisten Ihres dritten Romans von 1996, «Perversion», der ebenfalls nach Venedig reist, einen Kongress besucht und sich in eine schöne Ada verliebt....
Es ist ein Abend, wie er im Theater eigentlich immer sein müsste: betörend, melancholisch, aber auch gescheit und scharf und ausweglos in seiner Konsequenz. Ein kleines bisschen fahrig vielleicht in seiner Collagierseligkeit, manchmal etwas zu beschwipst von den Einsatzmöglichkeiten des Komödiantischen, aber doch immer Blueprint für das Leben, wie es eben ist oder...
Ausgerechnet am Tag nach der Botho-Strauß-Premiere «Nach der Liebe beginnt ihre Geschichte» brachte der Zürcher «Tagesanzeiger», von seinen Lesern liebevoll «Tagi» genannt, auf seiner Savoir-vivre-Seite drei Beispiele für «Liebe und Arbeit in Personalunion». Vorgestellt wurden ein «Kunst-Paar», ein «Design-Paar» und ein «Gastro-Paar», jeweils seit 15, elf und acht...
