Ein schwieriges Frauenzimmer
Corinna Harfouch hat bereits einige der sperrigsten Frauenfiguren gespielt, die die deutsche Geschichte hergibt: Eva Braun auf der Bühne, Magda Goebbels und Vera Brühne im Film. In Dagmar Knöpfels «Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern» spielt sie nun zur Abwechslung eine tschechische Dichterin des 19.
Jahrhunderts, aber man erkennt sofort, warum Frau Harfouch für diese Rolle besetzt wurde: Diese Bozena Nemcova muss ebenfalls ein schwieriges Frauenzimmer gewesen sein; einerseits eine selbstbewusste und viel bewunderte Frau, andererseits eine an sich selbst zweifelnde, misshandelte Ehegattin in ständigen Finanznöten.
In ihrer Heimat ist Nemcova eine nationale Ikone: eine Art Brüder Grimm, Heinrich Heine und Günderode in einem. Sie ist im Alter von 46 Jahren in Einsamkeit und Armut gestorben und hat doch das wahrscheinlich bis heute dort meist gelesene Buch geschrieben mit dem anheimelnden Titel «Die Großmutter». Corinna Harfouch liest im Film in einer Szene daraus vor – man hört ein altmodisch-phrasenhaftes Vorwort über «geliebte Falten», und dem deutschen Zuschauer bleibt völlig verschlossen, was den Zauber dieses Buches ausmachen soll.
Das ist das Hauptproblem des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Intendant gerät ins Schlingern. Schon vor der ersten Premiere. Ist ja auch ungewohnt, das Terrain, über das der neue Leiter des Aachener Theaters da schlittert. Nicht nur die Stadt ganz im Westen ist für Michael Schmitz-Aufterbeck – zwar gebürtiger Rheinländer, aber zuvor am Theater Luzern als Operndirektor engagiert – noch etwas fremd. Auch das Gebäude, in dem...
Mit Symbolfarben ist es so eine Sache. Drei Tage vor der deutschen Hauruck-Wahl, die anschließend in Macho-Gedröhn und rechthaberischem Patt versandete, konnte man beim Betreten des Zuschauerraums in Düsseldorf für einen Moment glauben, in eine Wahlveranstaltung für die Kanzlerkandidatin der CDU geraten zu sein: Orangenes Licht ergießt sich über den Zuschauerraum,...
Ihr Mund ist es, der einen verfolgt. Wenn Almut Zilcher den Mund öffnet, meint man, die Bühne verwandle ihr Format – von der Totale zur Großaufnahme. Ist er stumm, dieser Mund, oder seufzt er, giert er, lacht, weint oder schreit er? Der Schrei, so Jean-Jacques Rousseau, gebäre sich aus dem Willen zum Überleben des Menschen. Mit ihm verwildert die Stimme, echot...
