Ein schwieriges Frauenzimmer

Corinna Harfouch als tschechische Dichterikone Bozena Nemcova in Dagmar Knöpfels Film «Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern»

Theater heute - Logo

Corinna Harfouch hat bereits einige der sperrigsten Frauenfiguren gespielt, die die deutsche Geschichte hergibt: Eva Braun auf der Bühne, Magda Goebbels und Vera Brühne im Film. In Dagmar Knöpfels «Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern» spielt sie nun zur Abwechslung eine tschechische Dichterin des 19.

Jahrhunderts, aber man erkennt sofort, warum Frau Harfouch für diese Rolle besetzt wurde: Diese Bozena Nemcova muss ebenfalls ein schwieriges Frauenzimmer gewesen sein; einerseits eine selbstbewusste und viel bewunderte Frau, andererseits eine an sich selbst zweifelnde, misshandelte Ehegattin in ständigen Finanznöten.

In ihrer Heimat ist Nemcova eine nationale Ikone: eine Art Brüder Grimm, Heinrich Heine und Günderode in einem. Sie ist im Alter von 46 Jahren in Einsamkeit und Armut gestorben und hat doch das wahrscheinlich bis heute dort meist gelesene Buch geschrieben mit dem anheimelnden Titel «Die Großmutter». Corinna Harfouch liest im Film in einer Szene daraus vor – man hört ein altmodisch-phrasenhaftes Vorwort über «geliebte Falten», und dem deutschen Zuschauer bleibt völlig verschlossen, was den Zauber dieses Buches ausmachen soll.

Das ist das Hauptproblem des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2005
Rubrik: Medien/TV, Seite 65
von Barbara Schweizerhof

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mit geballter Faust

Es grünt, passend zum lauschigen Standort am Schlosspark neben Kastanien, Liegewiesen und Rosenrabatten. Statt Grafiker Grindlers «Roter Ecke», zwölf Jahre Signet der Intendanz von Friedrich Schirmer, ist jetzt ein sanftes Grün die Leitfarbe am Stuttgarter Schauspiel, die Komplementärfarbe, absichtslos? Auf Plakaten grüßen die Konturen einer geballten Faust. Das...

Technisch fit

Jeder Mensch ist ein Ozean, jedenfalls solange man ihn nicht genauer kennt. Ein Satz, so tief wie der Atlantik – und auch der kann ziemlich seicht sein. Aber dazu später. 

«Das Treffen» von Thomas Oberender und Sebastian Orlac (Regie Markus Dietz) ist ein vielfältig einsetzbares Multifunktions-Kunstwerk, und da darf nicht überraschen, wenn die Situation am...

In der Pathosdestille

Mit Destillaten ist es so eine Sache. Die Verknappung und Verdichtung aufs Wesentliche, aufs gewissermaßen Hochprozentige, die der Begriff zu versprechen scheint, ist leichter angesagt als getan. Helmut Krausser nennt seinen dramatischen «Gesang vom Untergang Burgunds» ein «Nibelungendestillat» und zitiert als Motto auch gleich noch Heidegger: «Die Sprache ist die...