Tausende Alternativen

Theater mit und nach Corona. Eine Standortbestimmung

Theater heute - Logo

«… mir fiel andererseits bereits auf, dass zwar viel geschah,
was mir nicht gefiel, aber doch nie genau das, was ich mir
zuvor besorgt ausgedacht hatte. Der Lauf der Dinge überschrieb meine Phantasie unentwegt.»

Dietmar Dath

Als wir vor zwei Jahren eine Version von Natascha Gangls Text «Die große zoologische Pandemie» in unseren Spielplan hineindachten, ahnten wir nicht, dass mit dem Lockdown zwei Wochen nach Probenbeginn des Stücks die Realität in Form der Pandemie einbrechen würde.

Wir verabschiedeten uns für ein Wochenende, daraus wurden dann sieben Wochen, daraus wurde dann: ein Film.

Unser «Haus der Antikörper» wurde in den virtuellen Raum verlegt. Wir waren, wie so viele Künstler*innen, unseres eigentlichen Mediums entzogen und haben andere Mittel gefunden, mit denen wir weiterarbeiten konnten. Den privilegierten Künstler*innen an freundlich weiterzahlenden Häusern gestattete die Pandemie Einblicke in verwandte Genres und so eine Art: Weiterbildung.

«Ihr seid der Wirt. Hier kommt das Virus», schreibt Natascha Gangl in dem vor zehn Jahren entstandenen Text, an dem die Autorin stetig weiterarbeitet und der sich – selbst einem Virus gleichend – in immer weitere Formen und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 65
von Marie Bues

Weitere Beiträge
Der gewöhnliche Rassismus

Leicht und heiter ist der Beginn, schwer und düster das Ende von Thomas Freyers neuem Stück. In drei ganz unterschiedlich strukturierten Teilen geht Freyer der Frage nach, woher rassistisch motivierte Gewalt in unserer Gesellschaft kommt. Pointiert und dialogisch geschrieben, ähnelt der erste Teil einer Exposition zu einer Gesellschaftskomödie à la Yasmina Reza....

Übers Reck – Versuche zu «Macht und Mitgefühl»

Der Verlust der Bilder ist der schmerzlichste aller Verluste. – Er bedeutet den Weltverlust.» – Diese Zeilen von Peter Handke hängen seit Jahren, mit vielen anderen Verzettelungen, neben und über meinem Schreibtisch. Da die beiden Sätze auf der Rückseite eines Programmzettels für Handkes «Publikumsbeschimpfung» aufgedruckt sind, dachte ich immer, sie wären aus...

«Die Polarisierungen nehmen zu»

Theater heute Was macht Corona mit unserer Gesellschaft, zumindest soweit sich das jetzt schon absehen lässt? Vielleicht ist es sinnvoll, noch einmal ein paar wesentliche Entwicklungen vor allem seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts und deren Folgen aufzurufen. Zentrale Stichworte dafür wären Globalisierung, Postindustrialisierung und Digitalisierung. Was...