Wer oder was ist hier souverän?
Es war bei einer diesen morgendlichen Diskussionen, vor der eigentlichen Probe, als wir ganz nah beieinander an einem Tisch saßen. Ein Schauspieler beschrieb, wie ein anderer Schauspieler gespielt hat, und benutzte das Wort «souverän». Dann sagte jemand anderes :«Ja, souverän! So souverän.» Ich wusste nicht, was souverän bedeutet. Es klang fremd. Wahrscheinlich, weil es aus dem Französischen stammt – obwohl ich das nicht wusste.
Ich stellte mir einen weißen, leicht athletischen Mann mit langem Haar vor, der sorglos über die Bühne läuft, während er sehr schnell fließend Deutsch spricht. Die Abonnent*innen (auch französischer Stamm) würden ihn lieben. Souverän hatte wahrscheinlich etwas mit virtuos zu tun. Und bourgeois. Es brauchte bestimmt Hochschulen dafür. Ich habe Musik an einem Conservatoire studiert.
Wenn ich sprachlich klüger wäre, hätte ich souverän mit sovereign (Englisch) verknüpft. Aber vielleicht wäre ich dann noch verwirrter gewesen. Auf Englisch heißt sovereign die Königin, dachte ich. Die Königin von England … und Australien und Jamaika und Kanada und … Dann hätte ich über kolonialistische Gewalt nachgedacht. Und über Theaterflyer, auf denen die Abkürzung von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 68
von Damian Rebgetz
Schon seit der Erfindung der modernen Polizei gehören zu ihrer grundlegenden Architektur der unauflösbare Widerspruch zwischen Recht und Unrecht und ein unkontrollierbares Gewaltpotenzial. Dieser Gedanke hat Björn SC Deigner dazu bewogen, Friedrich Schillers Fragment «Die Polizey» als Ausgangspunkt für die eigene Fortschreibung und Untersuchung der dunklen Punkte...
Auf dem Spielplan des HAU kündigten wir für den 8. April 2008 ein Stück mit dem Titel «Hauptversammlung» an. Es begann recht früh am Tag. Schon auf dem Weg zum Berliner Messegelände, dem Aufführungsort, konnte man die anderen Besucher*innen ausmachen: Knapp 6000 Aktionär*innen hatten sich in Bewegung gesetzt.
An diesem Tag können sie es anfassen: ihr Unternehmen....
Endlich ist sie da, die lang erwartete neue Arbeit von Rainald Goetz für das Theater, über zwanzig Jahre nach der letzten Uraufführung «Jeff Koons» (1999 am Schauspielhaus Hamburg).
Und was für ein Opus Magnum, fünf Akte zuzüglich eines Prologs und eines Epilogs, 106 eng beschriebene Seiten umfasst das Manuskript. Dem Stück als Motto vorangestellt ist eine Zeile...
