Sweet Dreams Are Made Of This
Sivan Ben Yishai erzählt. Wie die Autorin sich das kollektiv betriebene Café «k-fetisch» als zweites Neuköllner Wohnzimmer ausgesucht hätte, wie die Räume zeitweilig geschlossen worden wären aufgrund von Vorwürfen gegen sexistisches Verhalten von Mit -arbeitern, wie das Kollektiv daraufhin die Vorwürfe und den internen Klärungsprozess in einem Newsletter öffentlich gemacht hätte. Sie beschreibt, dass so etwas im Theaterkontext unmöglich wäre: den Betrieb anzuhalten, Konflikte in einem performativen Akt offenzulegen, sich angreifbar zu machen.
Und so ist ihre Rede zur Eröffnung des Körber Studios Junge Regie vor allem ein Mutmachen an die jungen Theater -macher:innen, die sich Anfang Juni im Hamburger Thalia in der Gaußstraße treffen: Wie es ist, muss es nicht bleiben. Man kann Theater auch anders denken, nicht als Konkurrenz im Erfüllen von Arbeitsabläufen, sondern als Hinterfragen dieser Arbeitsabläufe. «Durchs Spiel die Welt als veränderbar begreifen», zitierte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda kurz zuvor Max Frisch, und diese Funktion des Theaters gibt auch Sivan Ben Yishai dem Nachwuchs mit auf den Weg.
Das Theater als veränderbar zu begreifen, das würde allerdings auch ...
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Theater heute 7 2022
Rubrik: Festivals, Seite 45
von Falk Schreiber
Ja damals, 9 n. Chr. bei Kalkriese, siegten die Germanen, und ja damals, 1982 in Bochum, siegte Claus Peymann über Kleists angeblich unspielbares Kriegsdrama «Die Hermannsschlacht». Auch damals konnte man schon lachen über Thuschen, ihren Hermann und ihren römischen Verehrer Ventidius. Peymanns «Hermannsschlacht» war ein Theatertriumph. Zur Feier, dass es nun 40...
Was wäre, wenn eine Frau Jahre später ihrem Vergewaltiger erneut begegnete? Und wenn sie die Gelegenheit bekäme, ihn zur Rede zu stellen? In ihrem Stück «Der Vorfall» führt Deirdre Kinahan dieses Gedankenspiel durch. Die irische Autorin, 1968 geboren, hat bereits um die dreißig Theaterstücke geschrieben und zahlreiche Preise erhalten, im deutschsprachigen Raum ist...
Eine Zumutung
Es war an einem warmen Sommerabend, und die Lage war aussichtslos. Ich steckte fest. Mitten in der zweitgrößten Halle Kampnagels (…), und ich dachte: Amelie, was mutet ihr uns zu mit diesem Gastpiel der Burg? Knapp zwei Stunden lang saß ich da, dachte über ungeschriebene Artikel, unkorrigierte Bachelorarbeiten und unbeantwortete Mails nach, und dann,...
