Sweet Dreams Are Made Of This

Beim Körber Studio Junge Regie in Hamburg versucht sich der Theaternachwuchs an lustvoller Konkurrenzverweigerung

Theater heute - Logo

Sivan Ben Yishai erzählt. Wie die Autorin sich das kollektiv betriebene Café «k-fetisch» als zweites Neuköllner Wohnzimmer ausgesucht hätte, wie die Räume zeitweilig geschlossen worden wären aufgrund von Vorwürfen gegen sexistisches Verhalten von Mit -arbeitern, wie das Kollektiv daraufhin die Vorwürfe und den internen Klärungsprozess in einem Newsletter öffentlich gemacht hätte. Sie beschreibt, dass so etwas im Theaterkontext unmöglich wäre: den Betrieb anzuhalten, Konflikte in einem performativen Akt offenzulegen, sich angreifbar zu machen.

Und so ist ihre Rede zur Eröffnung des Körber Studios Junge Regie vor allem ein Mutmachen an die jungen Theater -macher:innen, die sich Anfang Juni im Hamburger Thalia in der Gaußstraße treffen: Wie es ist, muss es nicht bleiben. Man kann Theater auch anders denken, nicht als Konkurrenz im Erfüllen von Arbeitsabläufen, sondern als Hinterfragen dieser Arbeitsabläufe. «Durchs Spiel die Welt als veränderbar begreifen», zitierte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda kurz zuvor Max Frisch, und diese Funktion des Theaters gibt auch Sivan Ben Yishai dem Nachwuchs mit auf den Weg. 

Das Theater als veränderbar zu begreifen, das würde allerdings auch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 7 2022
Rubrik: Festivals, Seite 45
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
An der Abtastnadel

Ja damals, 9 n. Chr. bei Kalkriese, siegten die Germanen, und ja damals, 1982 in Bochum, siegte Claus Peymann über Kleists angeblich unspielbares Kriegsdrama «Die Hermannsschlacht». Auch damals konnte man schon lachen über Thuschen, ihren Hermann und ihren römischen Verehrer Ventidius. Peymanns «Hermannsschlacht» war ein Theatertriumph. Zur Feier, dass es nun 40...

Mordor im Plastikmüll

Dunkel und drohend, gehauen aus schwarzen Felsen steht er da, der Turm der Prospera. Er erinnert wohl nicht zufällig an Barad-dur, den Turm Saurons aus dem «Herr der Ringe», von dem aus der dunkle Herrscher Mittelerde mit seinem magischen Auge überwacht. In Weimar thront ein leuchtender, farbwechselnder Ring als Symbol des Zauberbanns über allem. Prospera wacht mit...

«Ich muss meine Figuren beschützen»

Es sind krasse Gegensätze, die sie in ihren Figuren zu vereinen weiß: etwa eine wunderliche Kindlichkeit, Unschuld, auch Unterwürfigkeit auf der einen Seite und eine gewisse Durchtriebenheit, lebenserfahrene Reife und Selbstbestimmtheit auf der anderen. 

Agnes Sorel in Schillers «Jungfrau von Orleans» ist so eine Figur, der die junge Schauspielerin Vassilissa...