An der Abtastnadel

Clemens Sienknecht und Barbara Bürk «Die Hermannsschlacht – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie» im Schauspielhaus Bochum

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Ja damals, 9 n. Chr. bei Kalkriese, siegten die Germanen, und ja damals, 1982 in Bochum, siegte Claus Peymann über Kleists angeblich unspielbares Kriegsdrama «Die Hermannsschlacht». Auch damals konnte man schon lachen über Thuschen, ihren Hermann und ihren römischen Verehrer Ventidius. Peymanns «Hermannsschlacht» war ein Theatertriumph.

Zur Feier, dass es nun 40 Jahre lang keine Schlacht mehr gab in Bochum, präsentieren Clemens Sienknecht und Barbara Bürk nach ihrer bekannten Methode, «allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie», nun eine völlig lachbare Version des Germanenkriegs. 

Das passt, nach ihrer Hamburger Pazifizierung von Hebbels «Nibelungen». Was einst als «verruchtester Hassgesang aller Zeiten» (Hans v. Zwehl, «Weltbühne» 1927) im Giftschrank der Dramaturgien sequestriert war, dann als Modell des «Widerstands gegen einen dem Anschein nach unschlagbaren Eroberer» (Peymann 1982) ins Licht gebracht wurde, wird zur super-seichten TV-Show. Was einst als Kriterium der Unspielbarkeit galt – Kleists unfreiwillige Komik und die hasserfüllte Amoralität des Helden –, wird hier zum Inszenierungskonzept. Man freut sich an der Banalität, weil man sie als doppelbödige ...

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Theater heute 7 2022
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Gerhard Preußer

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