Stirb und werde!
Irgendwo musste der Werther-Satz ja untergebracht werden in Simon Verhoevens Verfilmung von Joachim Meyerhoffs Buch. «Ach, diese Lücke, diese schreckliche Lücke ... », seufzt der Philosoph und Großvater auf der Bank unterm Baum, erschöpft von der Wanderung. «Entsetzlich! Entsetzliche Lücke ...», fällt ihm Ehefrau Inge ins Wort. Sie, die unverwüstliche Diva, ehemalige Schauspielerin an den Münchner Kammerspielen, ist die glamouröse Domina an der Seite ihres verrenteten Philosophieprofessors.
Und ein wenig Loriot ist immer im Spiel bei diesem eingespielten alten Ehepaar, das sein Rentnerleben in festen Ritualen gebändigt hat: Der Tag beginnt mit Champagner, zum Mittagessen kursiert der Rotwein, um 6 kommt der Whisky, und um 9 endet der Tag mit Cointreau. Joachim Meyerhoff, der liebende Enkel des extravaganten Paares, hat dieses Ehepanorama im dritten Teil seiner mittlerweile 6-teiligen Lebenserzählung verewigt. Als er in München die Otto-Falckenburg-Schule besuchte, lebte er drei Jahre in der großbürgerlichen Villa am Nymphenburger Park bei seinen Großeltern. Während dort zwei Leben so elegant wie möglich ihrem Ende entgegengehen, soll in der Schule das Neue entstehen, Josse zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Barbara Burckhardt
Traumtänzerisch bewegt sich der nackte Simon Werdelis über die Bühne. Es ist fast schon ein Naturereignis, wie er mit seiner expressiven Körperlichkeit naiv kokett den Rest der ebenso männlichen Besetzung um den Fingern wickelt. Daniela Löffners Dresdener «Lulu»-Inszenierung von 2023 öffnete für Werdelis noch einmal neue Seiten seines Spiels, auch weil die...
«Das sind nur die 90er, mein Freund, und das ist nicht mal bös’ gemeint.» So sang einst die Punk-Band But Alive über ihr identitätsstiftendes Jahrzehnt. Die Band ist inzwischen aufgelöst, ihr Sänger steht heute der Polit-Poprock-Combo Kettcar vor. Besonders im Osten, also in den Transformationsländern Mittel- und Osteuropas, waren die 1990er ein wilder Ritt...
Zeitreisen sind nichts für engagierte Menschen. Die wollen immer die Welt verbessern, was per se eine gute Sache ist. Aber bitte nicht, niemals, auf gar keinen Fall in der Vergangenheit! Weil, Problem: Jede kleine Veränderung in der Timeline kann dazu führen, dass die Zeitreisende nie geboren wird und folglich kollabieren Logik, Zeit, Raum, Universum.
Nun ist...
