Stimmen und Gegenstimmen

Das Teatro Due in Parma veranstaltet die einzigen internationalen Autorentheatertage Italiens und hat den ersten großen öffentlichen MeToo-Fall der Theaterszene

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In Parma gibt es Parma-Schinken, Parmigiano Reggiano – und das Teatro Due. Die Geschichte des Gebäudes an der Viale Francesco Basetti, direkt am Ufer der Parma, ist mindestens so abwechslungsreich wie die Küche der Emilia Romagna: Anfang des 20.

Jahrhunderts erbaut als öffentliche Bade -anstalt, diente es als Opernhaus, Kino, Offizierskantine, Turnhalle, Armenküche und Polizeiamt, bevor es seit den 1970er Jahren erst von der Compagnia del Collettivo, dann mit Hilfe der Stadt nach und nach renoviert wurde – mit zahlreichen Proberäumen, vier Theatersälen und einem Open-Air-Sommertheater auf dem benachbarten Parkhaus. Inzwischen betreibt eine Stiftung das Teatro Due, das nicht nur wie ein Teatro Stabile über ein eigenes Ensemble verfügt, sondern neben europäischen Gastspielen auch ein Repertoire pflegt und den Theaternachwuchs ausbildet – ein ungewöhnliches Profil für ein italienisches Theater.

Im Rahmen dieser Ausbildung lädt das Haus seit zwei Jahren unter der Kuration des Ex-Schaubühnendramaturgen und demnächst Co-Leiters der Theaterformen Florian Borchmeyer zu «Giornate d’Autore», italienisch für Autorentheatertage und ebenfalls einmalig in Italien. Zwar etwas kleiner ...

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Theater heute März 2026
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Eva Behrendt

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