Genderfidel

Virgina Woolf «Orlando» am Schauspielhaus Bochum

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Endlich, Orlando feiert! Warum? Weil «er» aus einem siebentägigen Tiefschlaf als «sie» erwacht ist und ihren neuen Körper entdeckt: kurze Verblüffung, ungläubiges Verstehen, ein zunehmend stolzer Griff an die eigenen Brüste, die Hüften, den Po im engen roten Kleid, und Carla Njine bricht in quietschfideles, ansteckendes Lachen aus. Dieser Moment tut gut, weil er echt und empowernd ist, bis dahin wirkte Martin Laberenz’ Inszenierung in ihrer betonten Aufgekratztheit eher aufgesetzt.

Das viktorianische Zeitalter erweist sich im Folgenden als suboptimal für Orlandos spontane Gender-Transformation. Die patriarchale Feudalgesellschaft versucht My -lady umgehend in die Schranken zu weisen, will ihr Eigentum und Status absprechen. Da trifft es sich gut, dass sie mehrere Jahrhunderte als privilegierter adeliger Mann gelebt hat, das macht offenbar resilient.

Laberenz inszeniert Virginia Woolfs gegen jegliche Konvention resistenten Erfolgsroman mit Schauspielstudierenden der Folkwang Universität. Die Rolle der alterslos genderfluiden Kunstfigur Orlando wechselt mit jedem Kapitel und Jahrhundert zwischen den Spieler:innen. Dabei bleibt neben Njine vor allem Mia Mika Friedmann mit ihrer ...

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Theater heute März 2026
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Cornelia Fiedler

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