Still und nonchalant
Es gibt diese Saison zwei viel diskutierte Produktionen zu historisch-politischen Komplexen, von denen eine zum Theatertreffen eingeladen wurde, die andere nicht.
Während Volker Löschs trivial-demagogische Umarbeitung von Peter Weiss’ «Marat/Sade»-Stück («Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?») mit der Einladung die Ehre erhielt, «bemerkenswert» genannt zu werden, wurde Elfriede Jelineks Stück «Rechnitz (Der Würgeengel)» in der Inszenierung von Jossi Wieler nicht berücksichtigt – in diesem Verhältnis eine Fehlentscheidung, für die man das Wörtchen «skandalös» ausnahmsweise aus der Erregungskiste holen möchte.
Der vielstimmige Chor über das Leugnen und Rechtfertigen angesichts einer besonders widerlichen Form des Massenmords – der Party-Erschießung von 180 ungarischen Juden und Zwangsarbeitern auf dem Thyssenschloss zu Rechnitz 1945 –, den Wieler mit genauem Blick für die verräterischen Töne und Gesten aus Jelineks umfangreichem Text gewonnen hat, ist eine um Klassen intelligentere Betrachtung über das Politische von Sprache als das stampfende Denunziantentheater von Volker Lösch, das Arme wie Reiche, Linke wie Rechte gleichermaßen durch die Entwürdigungsschablone ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ob er das Erdbeben nicht bemerkt hätte: «Die Erde schwankte etwas …», sagt Monika. Aber Gerd hat natürlich wieder einmal gar nichts mitbekommen. Sein Seismograf schlägt weder bei Naturkatastrophen aus, noch registriert dieser glatte Geschäftsmann Verwerfungen in seiner Beziehung. Also glotzt er nur blöd, pflanzt sich auf das Sofa und wartet erst einmal ab, was da...
Besser hätte das Jahr kaum anfangen können. Anfang Februar wurde Birgit Minichmayr mit Martin Kusejs Wiener Inszenierung «Der Weibsteufel» zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Mitte des Monats bekam sie ihren ersten Filmpreis, als die Berlinale-Jury sie für ihre Rolle der Gitti in Maren Ades Beziehungsdrama «Alle anderen» mit dem Silbernen Bären auszeichnete....
Der D 274 ist nicht irgendeiner, es ist der Steinway an sich und in etwa genau so eindrucksvoll, wie man sich eine abweisende Diva vorstellen muss. In Heidelberg, wo die aus Georgien stammende Nino Haratischwili ihr «Liv Stein» jetzt selbst zur Uraufführung gebracht hat, steht der Konzertflügel wie ein Kunstobjekt auf einem Sockel, ist allerdings mit einer dicken...
