Still und nonchalant

Was fehlt? - Jossi Wielers Uraufführung von Elfriede Jelineks «Rechnitz» an den Münchner Kammerspielen

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Es gibt diese Saison zwei viel diskutierte Produktionen zu historisch-politischen Komplexen, von denen eine zum Theatertreffen eingeladen wurde, die andere nicht.

Während Volker Löschs trivial-demagogische Umarbeitung von Peter Weiss’ «Marat/Sade»-Stück («Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?») mit der Einladung die Ehre erhielt, «bemerkenswert» genannt zu werden, wurde Elfriede Jelineks Stück «Rechnitz (Der Würgeengel)» in der Inszenierung von Jossi Wieler nicht berücksichtigt – in diesem Verhältnis eine Fehlentscheidung, für die man das Wörtchen «skandalös» ausnahmsweise aus der Erregungskiste holen möchte.

Der vielstimmige Chor über das Leugnen und Rechtfertigen angesichts einer besonders widerlichen Form des Massenmords – der Party-Erschießung von 180 ungarischen Juden und Zwangs­arbeitern auf dem Thyssenschloss zu Rechnitz 1945 –, den Wieler mit genauem Blick für die verräterischen Töne und Gesten aus Jelineks umfangreichem Text gewonnen hat, ist eine um Klassen in­telligentere Betrachtung über das Politische von Sprache als das stampfende Denunziantentheater von Volker Lösch, das Arme wie Reiche, Linke wie Rechte gleichermaßen durch die Entwürdigungsschablone ...

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Theater heute Mai 2009
Rubrik: Prädikat Bemerkenswert, Seite 17
von Till Briegleb

Vergriffen
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