Nicht von schlechten Eltern

Das Musical «Dorfpunks - die Blüten der Gewalt» von Studio Braun am Hamburger Schauspielhaus

Theater heute - Logo

Rocko Schamonis Roman «Dorfpunks» ist schon gut, aber die Theaterfassung, die Schamoni zusammen mit seinen Studio-Braun-Kumpels Heinz Strunk und Jacques Palminger geschaffen hat, ist noch besser. Denn sie fügt der humorvollen Sozialstudie über Rebellion in der Provinz noch ein paar Dimensionen hinzu.

Auf der Bühne des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg geht die «Dorfpunks»-Geschichte so: In der aus Backsteinen erbauten Kleinstadt Lütjenburg dauern die 70er Jahre frisurtechnisch (alle tragen Vokuhila und Oberlippenbart) und musikalisch (man bewun­dert AC/DC und Whitesnake) auch um 1980 noch an. Bis Sören und seine dauersaufenden Kumpels von einem mephistophelischen Affen zum Haareschneiden (selbstverständlich mit Nagelschere) und zum Punk bekehrt werden. Sie gründen eine Band mit dem schönen Namen «Scheiße aus Lütjenburg», werden aber von Vertretern der Obrigkeit unterdrückt.

Zu denen gehören neben der Polizei und dem örtlichen Discobesitzer auch Sörens Mutter, die ihn ausgerechnet in eine Töpferlehre zwingt. Im Gegensatz zum Buch sind die Erziehungsberechtigten hier nicht mehr die verständnisvollen blassen Hintergrund­figuren, sondern gewinnen Profil als autonom operierende ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2009
Rubrik: Schauspielhaus Hamburg, Seite 23
von Matthias Heine

Vergriffen
Weitere Beiträge
"Die Liebe killt mich noch"

Besser hätte das Jahr kaum anfangen können. Anfang Februar wurde Birgit Minichmayr mit Martin Kusejs Wiener Inszenierung «Der Weibsteufel» zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Mitte des Monats bekam sie ihren ersten Filmpreis, als die Berlinale-Jury sie für ihre Rolle der Gitti in Maren Ades Beziehungsdrama «Alle anderen» mit dem Silbernen Bären auszeichnete....

Gestochen unscharfe Polaroids

Deutschland, im Mai 1977. In München packt Franz Beckenbauer, der für ein paar Jahre zu New York Cosmos wechselt, gerade seine Koffer. In Stuttgart-Stammheim sind die Urteile im ersten großen RAF-Prozess gesprochen, deren verheerende Folgen noch nicht abzu­sehen sind. Und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg wird «Trilogie des Wiedersehens», das dritte...

Zwei Keller voller Leichen

Ob er das Erdbeben nicht bemerkt hätte: «Die Erde schwankte etwas …», sagt Monika. Aber Gerd hat natürlich wieder einmal gar nichts mitbekommen. Sein Seismograf schlägt weder bei Naturkatastrophen aus, noch registriert dieser glatte Geschäftsmann Verwerfungen in seiner Beziehung. Also glotzt er nur blöd, pflanzt sich auf das Sofa und wartet erst einmal ab, was da...