Spleen und Freiheit
Und dann kommen die Tränen. Rotz und Wasser, die ganze schöne FFP2-Maske voll. Das passiert eigentlich nicht im Theater. Theater ist Arbeit, intellektuelle Herausforderung, Genuss, verlorene Zeit, wiedergefundene Zeit. Aber «berührend», das ist in erster Linie ein Adjektiv, um in Kritiken einen perfekt inszenierten Moment zu schildern.
Schuld daran ist Familie Flöz, die Berliner Truppe mit dem klobigen Namen, dem zu knuffigen Foto im Fidena-Programmheft und dem zweifelhaften Werbeversprechen, sie würde regel -mäßig den Berliner Admiralspalast füllen – zwischen «Cats» und Torsten Sträter.
Emotionale Panzerbrecher
Jetzt also Tränen, Erinnerungen, Trauer, Katharsis, das ganz Programm, ausgerechnet im Figurentheater. Weil ein Mann mit einem riesigen großnasigen Puppenkopf auf den echten Schultern im Rollstuhl ans Altenheim-Klavier eiert, einen Ton anschlägt, noch einen. Und sich vorsichtig suchend heraus spielt aus der Welt der Bettpfannen, des Mitleids, des Wartens auf das Ende. Weil sich das Bild meines eigenen Großvaters über die Szene schiebt, der von mir nie eine Träne bekommen hatte, weil zu viel ungeklärte Vergangenheit zwischen uns lag und eine andere, tiefere Trauer. Weil ich ...
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Theater heute 7 2022
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Cornelia Fiedler
Dunkel und drohend, gehauen aus schwarzen Felsen steht er da, der Turm der Prospera. Er erinnert wohl nicht zufällig an Barad-dur, den Turm Saurons aus dem «Herr der Ringe», von dem aus der dunkle Herrscher Mittelerde mit seinem magischen Auge überwacht. In Weimar thront ein leuchtender, farbwechselnder Ring als Symbol des Zauberbanns über allem. Prospera wacht mit...
1942 - 2022
Wenn es das Bremer Theater als gesicherten Vier-Sparten-Betrieb heute noch gibt, hat das sicher viel mit Klaus Pierwoß zu tun. In seiner Zeit als dortiger Generalintendant von 1994 bis 2007 hat er das Haus vor der Insolvenz gerettet, mit insgesamt neun Kultursenatoren konstruktiv gestritten, hat sich ins Werder-Trikot gestürzt und mit Otto Rehhagel das...
Schon bemerkenswert: Gut 180 Jahre lang kümmert sich mehr oder weniger niemand hierzulande um diesen Text. Und kaum behandelt ihn die «FAZ» in der Reihe «Spielplan-Änderung!» als eines der «Stücke, die das Theater braucht», da setzt geradezu ein Wettrennen ein: 2019 erschien besagter Zeitungsbericht, im März 2021 sollte es in Karlsruhe die deutsche Erstaufführung...
