Spiel, Satz, Sieg
Wie viel Handke passt in 100 Minuten Theater? Reichlich. Auch wenn Michael Simons Version des «Spiels vom Fragen» nur etwa ein Drittel der Zeit beansprucht, die sich Claus Peymanns Uraufführung 1990 nahm, erhalten Simon und Dramaturg Tilmann Neufer das Wesentliche. Denn sie nehmen den Titel angenehm wörtlich und entwickeln aus dem als überfrachtet, verstiegen und allzu sprachverliebt geltenden Stückmassiv ein abwechslungsreiches, anregendes, oft amüsantes Spiel.
Ihre Vorgehensweise: eindampfen, aber maßstabsgetreu.
So bleibt erstens Handkes symmetrische Personalaufstellung erhalten: Da sind der daueroptimistische Mauerschauer (Timo Tank) und der miesepetrige Spielverderber (Sebastian Kreutz), die junge Schauspielerin (Annika Martens) und der sie umwerbende junge Schauspieler (Andre Wagner), das alte Paar nach langem gemeinsamem Leben (das sich dabei so ähnlich geworden ist, dass es hier von Teresa Trauth in Personalunion dargestellt werden kann) und der weltfremde Tor Parzival (Ursula Grossenbacher), dem die freie Rede – und somit gemäß Handke der freie Blick auf die Welt – durch Phrasenschrott im Hirn versperrt ist, wovon ihn der urwüchsig unverstellte Einheimische (Wolfgang ...
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Pleasure, pleasure, pleasure sind die Losungsworte dieser Gesellschaft, die ihren Zenit auch schon überschritten hat. Doppelleben und -moral sind übliches Tagesgeschäft. Liebe nur mehr eine romantische Illusion. Sehnsuchtsträume können allenfalls durch sprechende Vornamen oder Taufregister gestillt werden. Rauchen geht im Tätigkeitsbericht als Arbeit durch, und...
Zeit: 27. Oktober 2008, der Montag nach der Premiere
Ort: Die Feuilleton-Titelseiten
Stimmen:
MODERATOR
Matthias HEINE («Endlich mal wieder Strumpfhosen», Die Welt)
Ralf-Carl LANGHALS («Wunder gibt es immer wieder», Mannheimer Morgen)
Peter MICHALZIK («Best of Germany», Frankfurter Rundschau)
Roland MÜLLER («Demut, dein Name ist Schmidt», Stuttgarter Zeitung)
Christopher...
