Spiel, Satz, Sieg
Wie viel Handke passt in 100 Minuten Theater? Reichlich. Auch wenn Michael Simons Version des «Spiels vom Fragen» nur etwa ein Drittel der Zeit beansprucht, die sich Claus Peymanns Uraufführung 1990 nahm, erhalten Simon und Dramaturg Tilmann Neufer das Wesentliche. Denn sie nehmen den Titel angenehm wörtlich und entwickeln aus dem als überfrachtet, verstiegen und allzu sprachverliebt geltenden Stückmassiv ein abwechslungsreiches, anregendes, oft amüsantes Spiel.
Ihre Vorgehensweise: eindampfen, aber maßstabsgetreu.
So bleibt erstens Handkes symmetrische Personalaufstellung erhalten: Da sind der daueroptimistische Mauerschauer (Timo Tank) und der miesepetrige Spielverderber (Sebastian Kreutz), die junge Schauspielerin (Annika Martens) und der sie umwerbende junge Schauspieler (Andre Wagner), das alte Paar nach langem gemeinsamem Leben (das sich dabei so ähnlich geworden ist, dass es hier von Teresa Trauth in Personalunion dargestellt werden kann) und der weltfremde Tor Parzival (Ursula Grossenbacher), dem die freie Rede – und somit gemäß Handke der freie Blick auf die Welt – durch Phrasenschrott im Hirn versperrt ist, wovon ihn der urwüchsig unverstellte Einheimische (Wolfgang ...
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Beweisaufnahme. Ein Lastenheber rasselt in den Bühnenuntergrund, fördert zerstörte Kunstwerke zutage. An der Indizienkette baumelt bald ein Rubens, bald ein Raffael, in Folie verpackt und verzurrt, vor allem aber: zerrissen, zerbrochen, zerschlagen. Regisseurin Christiane Pohle und ihr Dramaturg Malte Ubenauf haben das späte, sperrige Prosawerk «Alte Meister» ins...
Aber natürlich sollen die Theater, also wir, jetzt etwas zur Bankenkrise machen! Endlich mal ein Thema, bei dem man weiß, dass es die Zuschauer auch dann noch beschäftigt, wenn der Apparat endlich angeworfen ist und in ein paar Monaten die ersten Ergebnisse ausspuckt. Zumal ja gerne gesagt wird, man wisse nicht genau, bei wem die Krise wann und wie heftig ankommen...
Das wirklich interessante Lehrstück fand im Vor- und Nachspiel zur Inszenierung statt. Wie üblich hatte das Hamburger Schauspielhaus seinen potenten Freundeskreis zu einer öffentlichen Probe geladen, bevor die Premiere von Volker Löschs «Marat/Sade»-Produktion nach Peter Weiss und mit Hamburger Hartz-IV-Chor Ende Oktober über die Bühne ging. Im Epilog zum Stück,...
